Venezuela steckt in einer existenziellen Wirtschaftskrise. Die Bürger vertrauen der eigenen Währung nicht mehr und liebäugeln mit Kryptogeldern wie dem Bitcoin.
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Bonn. Eine große Mehrheit der Deutschen steht Bitcoin skeptisch gegenüber. Nur jeder fünfte kann sich vorstellen, die Kryptowährung zu nutzen. Das hat eine repräsentative Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom ergeben, deren Ergebnisse das Transatlantic Journal vorab vorlagen. Gegenüber der letzten Erhebung von 2015 ist der Anteil der Zweifler damit sogar deutlich gestiegen. Damals konnten sich 36 Prozent vorstellen, die Digitalwährung einzusetzen, jetzt sind es lediglich noch 19 Prozent. Nur vier Prozent der Befragten hatten Bitcoin schon einmal selbst genutzt. Der Bekanntheitsgrad der Währung hat gleichzeitig deutlich zugenommen. Laut Befragung kennen 64 Prozent Bitcoin – vor zwei Jahren waren es nur ein Drittel, vor fünf Jahren 14 Prozent. Verantwortlich dafür dürfte die hohe Medienaufmerksamkeit für Bitcoin während des Booms im vergangenen Jahr sein. In der Spitze hatte die Währung 2017 um rund 1300 Prozent zugelegt, von unter 1000 Dollar am 1. Januar auf fast 20 000 Dollar Mitte Dezember. Seither gab der Kurs allerdings wieder deutlich nach und fiel Anfang Februar 2018 auf unter 6 000 Dollar.

Abschreckend wirkt auf potenzielle Nutzer vor allem die hohe Volatilität der Währung. 44 Prozent der Skeptiker gaben an, aus Angst vor einem Wertverlust nicht auf Bitcoin zu setzen. 41 Prozent erklärten, sie wüssten nicht, wofür die Währung überhaupt genutzt werden könne.

Tatsächlich ist die ursprünglich vorgesehene Funktion als digitales Zahlungsmittel für Bitcoin quasi bedeutungslos geworden. Verantwortlich sind technologische Engpässe des inzwischen zehn Jahre alten Systems, die sich in vergleichsweise hohen Transaktionskosten niederschlagen.

Wer Bitcoin erwirbt, tut dies in der Regel aus Spekulationsinteresse — oder um anonym zu bleiben. So haben Forscher der Universitäten in Sydney und Riga unlängst errechnet, dass etwa ein Viertel der Bitcoin-Nutzer und fast die Hälfte aller Bitcoin-Transaktionen mit illegalen Aktivitäten wie Drogenhandel, Geldwäsche, Hacking, Diebstahl oder sogar der Finanzierung von Terrorismus zu tun haben. Nach ihrer Schätzung werden jährlich etwa 72 Mrd. Dollar aus kriminellen Geschäften mit Bitcoin umgesetzt. Zum Vergleich: Der europaweite Markt für illegale Drogen wird von Europol auf etwa 24 Mrd. Euro geschätzt.

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