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Zentralbankankündigungen und Unruhe am Golf sorgen für Aufwärtstrend

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Juni 21, 2019 views12

Gold bringt keinen Minuszins: Wahrscheinlich haben Jerome Powell und Mario Draghi gemeinsam dem Goldpreis den Schubs der Woche verpasst. Gerade hatte die US-Notenbank Fed eine baldige Zinssenkung in Aussicht gestellt, äußerte der EZB-Präsident Nullzinsaussichten oder weniger für noch lange Zeit. So viele Sparaussichten befeuerten den Goldpreis auf den höchsten Stand seit über fünf Jahren. Am Donnerstag stieg der Preis für eine Feinunze bis auf 1229 Euro, am Freitag auf 1234 Euro/1392 Dollar. Zu Wochenbeginn hatten die 31,1 Gramm noch auf 1197 Euro notiert. Darüber hinaus prognostiziert der Händler Golden Gates aus Görlitz, Spezialist für Edelmetall- und Technologiemetall, seit längerem steigende Preise. Dieser Anstieg kam nun überraschend hinzu.

Jerome Powell hatte seine Bereitschaft für Zinssenkungen signalisiert, falls diese notwendig werden sollten. Dabei wies er nicht nur auf einen zunehmenden wirtschaftlichen Gegenwind hin. Der Fed-Chef betonte ausdrücklich das nachlassende globale Wirtschaftswachstum, begleitet oder sogar ausgelöst von Unsicherheit durch Zoll- und Handelskonflikte. Politische Risiken lassen Anleger verstärkt zu als sicher geltenden Anlagen wie Gold greifen. Zum Handelskonflikt zwischen den USA und China hatten kamen zuletzt noch Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran hinzu, nach dem Abschuss einer US-Drohne im Golf von Oman. Nachdem im Vorjahr die USA einseitig aus dem Wiener Atomabkommen von 2015 ausgestiegen sind und neue Sanktionen gegen den Iran verhängten, wuchsen auch an der Straße von Hormus die Spannungen. Kriegsgerassel, Tanker-Attacken, Drohnenabschuss: Der Ölpreis kennt seitdem nur noch die Richtung nach oben. Stabilität sieht anders aus.

Unter der Erwartung sinkender US-Zinsen kommt dazu der schwächelnde Dollar. Gold wird international in Dollar gehandelt. Ein fallender Dollarkurs freut Anleger außerhalb des Dollarraums, denn diese kommen günstiger an die US-Währung und damit an das begehrte Metall. Das befördert die Kauflaune für Gold.

Anleger, die in Gold investieren, schätzen häufig die Wertbeständigkeit: Trotz Preisschwankungen verliert es seinen Wert nie ganz und ist deshalb in Krisenzeiten interessant. Der große Nachteil bleibt. Gold bringt weder Zinsen noch Dividenden, und auf lange Sicht brachte es bisher nur halb so viel Rendite ein wie Aktien – verglichen mit all jenen, die auf die richtigen Aktien gesetzt hatten. Doch vor dem Hintergrund fehlender Sparbuchzinsen, Ölpreisbewegung im Krisenmodus, gerade bei unklaren Aktienkursen und aufschießenden Goldpreisen scheint eine Empfehlung für die Investition in das gelbe Edelmetall wieder angemessen.