Die größte Chance liegt im Ausland, bisher stammen 70 Prozent der Erlöse aus dem deutschsprachigen Raum. Holzer setzt auf Südosteuropa und Russland. Der chinesische Franchisepartner Shanghai Senrui Garment will aus den aktuell 30 Läden in den nächsten fünf Jahren 500 machen. Marc O'Polo soll unter Holzer schneller auf Trends reagieren, mehr männliche (Anteil 30 Prozent) und mit dem neuen Label Denim vor allem jüngere Kunden erreichen. Sogar ein eigenes Ladennetz unter dem Emblem ist geplant.
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Stockholm. Eigentlich will Dieter Holzer noch gar nicht über sich und den neuen Job reden. Aber es ist schwer, sich als Superstar zu verstecken. Zumal, wenn man davor so tief abgestürzt ist.

Der 53-Jährige war lange der erfolgreichste Manager in der deutschen Modebranche. Holzer hat den mittelmäßigen Textilkonzern Tom Tailor nach oben geführt und gehörte zu den am besten verdienenden Führungskräften der Republik. Dann verhob er sich mit der Übernahme der Kette Bonita und verspielte das Vertrauen der Börse. Als sein Sanierungskonzept stand, setzte ihn der Aufsichtsrat vor die Tür.

Holzer wollte Abstand gewinnen. Doch im April klingelte Werner Böck durch. Der Inhaber von Marc O’Polo bot ihm den CEO-Posten an. Drei Monate später verpflichtete Böck Holzer und überschrieb die Mitteilung mit dem Titel: „Neue Ära bei Marc O’Polo“. Der Sündenbock ist jetzt ein Hoffnungsträger.

Wer so euphorisch angekündigt wird, für den bleibt wenig Zeit, sich in Ruhe einzuarbeiten. Es ist keine leichte Aufgabe, die Holzer da am 11. September übernommen hat. Die Frage lautet: Kann er noch einmal zaubern – ohne sich zu verhexen?

Marc O ‚Polo wurde vor 50 Jahren in Schweden gegründet und verlor nach anfänglichen Erfolgen an Schwung, bis der Urbayer Werner Böck, zuvor Vertriebspartner für Deutschland, das Unternehmen erwarb und in Stephanskirchen bei Rosenheim neu gründete. „Das war meine schwierigste Entscheidung, aber es war auch die wichtigste“, sagt Böck. „Danach haben wir den Umsatz verfünffacht.“ Böck setzte auf modische T- und Sweatshirts mit dem Logo der Marke und glänzte mit Wachstumsraten von teils über 20 Prozent. Keine Branchenkrise schien ihm etwas anhaben zu können. Bis vor Kurzem. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr fällt die Party aus, auch wenn Robbie Williams zu einem Privatkonzert für die Belegschaft nach Stephanskirchen kam.

Nach zwei Jahren Stagnation, in denen keine Boni ausgezahlt wurden, ist der Umsatz im Geschäftsjahr 2016/17 um 4 Millionen auf 460 Millionen Euro gesunken. 2016 musste COO Andreas Baumgärtner gehen, Ende August dieses Jahres war auch für CEO Alexander Gedat Schluss. „Wir haben nie weniger als 5 Prozent vom Umsatz verdient“, beteuert Böck. Holzer soll dafür sorgen, dass das so bleibt – und die Erlöse wieder steigen. 2017/18 ist ein Plus von 2 Prozent geplant. In den nächsten fünf Jahren, das hat der Inhaber verordnet, soll der Umsatz um insgesamt 20 Prozent steigen. Ob mehr drin ist, lässt Holzer offen. „Ein neues Momentum ist möglich. Und dazu möchte ich einen Beitrag leisten.“

Die größte Chance liegt im Ausland, bisher stammen 70 Prozent der Erlöse aus dem deutschsprachigen Raum. Holzer setzt auf Südosteuropa und Russland. Der chinesische Franchisepartner Shanghai Senrui Garment will aus den aktuell 30 Läden in den nächsten fünf Jahren 500 machen. Marc O’Polo soll unter Holzer schneller auf Trends reagieren, mehr männliche (Anteil 30 Prozent) und mit dem neuen Label Denim vor allem jüngere Kunden erreichen. Sogar ein eigenes Ladennetz unter dem Emblem ist geplant.

Spannend wird, wie Holzer und Böck miteinander harmonieren. Beide sind das Herrschen gewohnt. Für beide steht das Produkt an erster Stelle. Der „Aufsichtsratschefim Unruhezustand“ (Selbstbeschreibung) inspiziert jedes Teil, bevor es in den Handel kommt. Das kann ein Vorteil sein, aber auch nerven — wenn der CEO einen anderen Geschmack hat.

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