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Hongkong, Macau und Shenzhen finden zusammen – einigermaßen

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Juli 15, 2019 views13

Hongkong. „Ein Land, drei Währungen“ ließe sich etwas überspitzt die Situation rund um die ehemalige britische Kronkolonie Hongkong beschreiben. Die Region, in der mehrere Millionenstädte zu einer  zusammenhängenden Megalopole zusammengewachsen sind, wird dadurch zum Experimentierfeld für alles, was mit internationalem Geldaustausch zu tun hat. Denn über 20 Jahre nach der Rückgabe stehen dem Handel noch zahlreiche Hürden im Wege.

647.000 Einwohner der chinesischen Sonderwirtschaftszone Macau haben ihre eigene Währung: Den Pataca. Seit 1905 gibt die portugiesischen Banco Nacional Ultramarino (Übersee-Nationalbank) in Lissabon das Geld für die frühere Überseekolonie heraus. Sein Wert ist fest an den Hongkong-Dollar gebunden. Sehr viel bekannter ist der Hongkong-Dollar in der ehemaligen britischen Kronkolonie am Ufer gegenüber. Die mit 7 Millionen Einwohnern zehnmal so große Metropole hat ebenfalls ihre Währung, herausgegeben von der eigenen Hong Kong Monetary Authority. Die gesamte Geldbasis ist durch Währungsreserven in US-Dollar gedeckt, der Wechselkurs lose an den US-Dollar gekoppelt. Gemessen an der Einwohnerzahl nehmen sich die beiden Sonderwirtschaftszonen wie Zwerge aus, verglichen mit den angrenzenden chinesischen Metropolen Guangzhou (14 Millionen) und Shenzhen (12 Millionen). Wirtschaftlich gesehen sind indes die ehemaligen Kolonien die Riesen. Während der Asienkrise 1997 wurden die Währungen der Nachbarländer stark abgewertet, die von Hongkong blieb relativ unversehrt. Dafür wird vor allem die Qualität des Bankensystems verantwortlich gemacht.

Auf engstem Raum kursieren Pataca, Hongkong-Dollar und der chinesische Renmibi – und kein gemeinsamer Wirtschaftsraum. Die Währungssysteme sind getrennt. Das erzeugt erhebliche Schwierigkeiten in der dicht besiedelten Gesamtregion. Not macht erfinderisch, Änderungen kommen in kleinen Schritten. Banken im Perlfluss-Delta experimentieren von sich aus mit neuen integrativen Angeboten für ihre Kunden in der Region. Mittlerweile entrümpeln zahlreiche Finanzinstitute die Hürden und bieten Produkte grenzüberschreitend an.

Den Vorreiter machte im März die Bank of China mit einem Pilotprojekt in Hongkong. Der Teufel steckt bekanntlich im Detail: Das macht es den Bürgern der Sonderverwaltungszone möglich, ein Festlandskonto zu eröffnen, ohne dazu in die Volksrepublik einreisen zu müssen. Das Konto kann mit dem mobilen Zahlungsverkehr des Festlandes verbunden werden, was digitale Überweisungen sehr vereinfacht. Die China Guangfa Bank (CGB) kündigte Anfang Juli an, die Beantragung von Kreditkarten für Bürger von Hongkong und Macau zu erleichtern. Die mussten bisher Sicherheiten bei der Bank deponieren oder in einem aufwändigen Verfahren die Höhe ihres Einkommens nachweisen. Bewohner aus Hongkong und Macau können künftig damit leichter Verbraucherkredite zum Erwerb von Immobilien oder Kraftfahrzeugen abschließen. Und jetzt, zwei Jahrzehnte nach der Rückgabe der beiden Kolonien an China, möchte die CGB in eine Filiale in Hongkong eröffnen.

UnionPay, die einzige Kreditkartenorganisation in der Volksrepublik China, hat derweil die Hürden für Bürger der beiden Sonderverwaltungszonen gesenkt. Bei Eröffnung eines Bankkontos in Festland-China werden ab sofort keine erhöhten Verwaltungsgebühren mehr fällig.

Derweil verstärken auch die Anbieter mobiler Zahlsysteme wie Alipay (chinesisches Onlinebezahlsystem der Alibaba Group) und WeChat Pay (das chinesische Pendant zu GooglePay oder ApplePay) ihre Präsenz in Hongkong. In Aussicht auf wachsende Besucherzahlen – wenn auch zunächst nur an Touristen vom Festland und grenzüberschreitende Verkehrsmittel gedacht ist.

Mit einfacherer Abwicklung und niedrigeren Kosten locken die Anbieter auch im Aktienhandel. Valuable Capital Ltd, ein Hongkonger Aktienbroker, bietet mit Genehmigung der Lokalregierung seit dem vergangenen September Online-Aktiendepots an. Dieses Startup konnte unlängst auch im Handel mit Bluechips Fuß fassen Dort umwirbt es seine Kundschaft damit, nur ein Drittel der branchenüblichen Kommissionsgebühren zu berechnen, wenn auf den drei Aktienmärkten Hongkong, Festlandchina und den USA gehandelt wird.

Xing Yujing, Direktorin der Zweigstelle der chinesischen Zentralbank in Shenzhen, strebt ein Komitee regionaler Finanzinstitute an. Die Zielstellung wäre, die verschiedenen Regeln in Hongkong, Macau und Guangdong/Shenzhen zu standardisieren.