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Chance gegen Leerstand in Innenstädten: Das bidirektionale adcada-Prinzip

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April 26, 2019 views26

Das Start-Up adcada aus der Nähe von Rostock hat ein Konzept entwickelt, das der Schlüssel sein könnte gegen Leerstand und Verödung der Innenstädte in mittelgroßen Städten: Onlinehandel findet hier zusammen mit dem klassischen Schlendern, Ausprobieren und Fühlen im etablierten Ladengeschäft statt. Das Ladengeschäft erweitert sein Sortiment um attraktive Stücke mit Hilfe eines Großhändlers. Gleichzeitig stellt das Ladengeschäft sein eigenes Angebot online.

Der Onlinehandel macht vielen kleinen Läden zu schaffen. Nach Schätzungen des Handelsverbandes Deutschland (HDE) verringerte sich zwischen 2012 und 2017 die Zahl der Einzelhandelsgeschäfte in Deutschland um 11.000, schrieb der SPIEGEL im Februar 2019. Dabei kämpft der Einzelhandel an zwei Fronten gegen einen Teufelskreis: Zum ersten weigern sich Hersteller und Großhändler häufig, kleine Geschäfte mit kleinen Stückzahlen zu beliefern. Statt attraktiver Hingucker bleibt nur das Mittelsegment. Zum zweiten vermissen Laufkunden ein zeitgemäßes Angebot, steuern diese Läden nicht mehr an und kaufen stattdessen im Internet. Ausbleibende Kunden führen dann zu Gewinneinbruch und im schlimmsten Falle zum Aus. Die Folge: Verlust an Vielfalt, die Innenstadt wird unattraktiver, die großen Ketten dominieren mit ihrem austauschbaren Massenangebot.

Das Start-Up Adcada stößt in diese Lücke: Als Großhändler erwirbt adcada schöne Stücke bei namhaften Herstellern und Designern in ausreichender Anzahl. Dort kann der Einzelhandel hochwertige Mode auch in kleinen Stückzahlen ordern und sein Sortiment wieder mit Hinguckern aufpeppen. Das bereichert sowohl das Renommee des Anbieters als auch die Innenstadt und wirkt dem Trend zu „immer billiger“ entgegen. Als weiteren Clou muss der Einzelhändler die Ware erst zahlen, wenn er sie selbst verkauft hat. Nicht verkaufte Ware kann er zurückgeben. Völlig neu am adcada-Konzept ist der bidirektionale Handel: In einem Online-Portal kann der Händler auch seine bei anderen Großhändlern erworbene Ware aus seinem Geschäft anbieten. Das Ladengeschäft bleibt damit am Ort bestehen. Gleichzeitig geht es selbst online, wird an die digitale Welt angeschlossen.

Die adcada ist ein im März 2015 gegründetes Start-Up aus Bentwisch bei Rostock. Das Konzept funktionierte im norddeutschen Raum so gut, dass die Anzahl der Mitarbeiter von zunächst 3 auf 5 im Februar 2017 anwuchs. Die Firma konnte dann in den Folgemonaten den eigenen adcada-Park beziehen und zählte im März 2019 bereits 50 Mitarbeiter.