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Royaler Riese: Der „Cullinan“ von Rolls Royce als Geländewagen

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März 6, 2019 views20

Dieses Auto ist auch der Queen würdig, kommt es schließlich aus dem Land der britischen Monarchie und vereint allen Luxus, den man der Königin auch zutrauen würde. Aber nicht als Luxus-Limousine, sondern als SUV oder Geländewagen neuester Generation. Mit dem stolzen Preis von 315.000 Euro auch in königlichen Dimensionen angesiedelt. Also nix für den Otto-Normalo, sondern für die exklusive Oberschicht und solche, die beim Tanken nicht aufs Geld schauen müssen: 15 Liter Super auf 100 km schluckt der royale Riese. Man kann sich eigentlich nicht vorstellen, dass dieser Autotyp zu Rolls Royce passt, deshalb hat sich der Luxushersteller auch recht schwer bei der Planung dieser speziellen königlichen Kutsche getan. Mit Matsch und Geröll hat dieser PKW-Typ eher weniger im Sinn. Aber die guten Verkaufszahlen geben den Designern offenbar recht.

Rolls-Royce existiert seit 1906. Und wie die meisten traditionsreichen Hersteller verkauft die britische Marke, die auch unter BMW-Regie als Inbegriff von Automobil-Luxus gilt, ihre teuren Wagen vor allem an reifere Kunden. „Mit dem neuen Cullinan wollen wir auch jüngere ansprechen “ , erklärt Heike Caroline Krismer, Chefingenieurin des gewaltigen SUV. Scheint zu klappen. „In den USA wurden wir auf das Modell angesprochen,“ so Krismer, „und die Leute sagten: Klasse, das wird mein College-Auto. Mein Daddy fährt ja auch schon die Marke.

Die Portokasse — immerhin kostet der Cullinan inklusive deutscher Mehrwertsteuer gut 315 000 Euro — scheint also weniger das Problem zu sein als das Klischee, das Rolls-Royce bislang eher in die Chauffeur-Ecke schiebt. Wer will schon in die Uni gefahren werden wie ein Kind in den Kindergarten? Der Cullinan ist dagegen als Driver’s Car konzipiert. Der Fahrer findet eine äußerst reduzierte Auswahl an Metallschaltern vor. Selbst von der Klimaautomatik sind nur rot-blaue Scheiben ohne Ziffern sichtbar: Die noble Kundschaft dreht eben intuitiv in Richtung Wohlfühltemperatur, wen interessieren schon exakte Celsius-Werte?

Laut ist im Royce nur der Blinker   Nichts auf der perfekten Luxusbühne erinnert an Elektronik von BMW, die hinter den Kulissen arbeitet. Selbst das Navi-Display ist in monochromes Blassgrün  getaucht. Very distinguished. Und tatsächlich basiert der Cullinan ja auf der exklusiven Rolls-Royce-Basis mit Aluminiumrahmen. Herzstück aber ist der V12-Motor, eine Wucht, bärenstark, sanft und  leise — ach was, fast unhörbar. Früher war das lauteste Geräusch in einem Royce angeblich die tickende Uhr: Seitdem die elektrisch läuft, ist es, auch im Cullinan, der Blinker. Kein Wunder, dass man in der Chauffeurschule der Marke lernt, auf diesen, falls möglich, zu verzichten.

Denn auch den Cullinan kann man, außer als fünfsitzige Version mit SUV-typischem variablem Kofferraum für die junge Familie, als so eine Art Chauffeurlimousine ordern. Mit vier Plätzen, Trennwand zum Gepäckabteil, Champagnergläsern in der Armlehne und sogenannten Sleeping Seats mit besonders weichen Kopfstützen. Dank der fast alles glattbügelnden Luftfederung wird man darin nicht so schnell wach.

Außer es geht ins Gelände. Da sollte man, auch mit der Chauffeurvariante, auf jeden Fall mal selbst fahren. Kein Problem mit dem Offroad-System, das gemäß der Rolls-Royce-Philosophie vom  Effortless Drive die jeweils passende Technik zuschaltet. Ein Druck auf den Everywhere-Button genügt. Daran, dass mancher Scheich in dem Luxusmobil den Asphalt verlassen und auf Wüstensand zur Falkenjagd rasen wird, zweifelt der Hersteller nicht.

Natürlich ist jede Technik und jedes Assistenzsystem an Bord, das im BMW-Konzern verfügbar ist. Jedes? Nicht ganz: Die Gestensteuerung etwa, mit der man per Fingerzeig die Audioanlage leiser stellt, ist nicht lieferbar. Ebenso wenig lässt sich die Heckklappe öffnen, indem man den Fuß in die Richtung bewegt. „Das“, findet Chefingenieurin Krismer, „wäre irgendwie nicht Rolls-Royce-like.  „

Man spürt und hört nichts vom Antrieb, die Luftfederung bettet einen wie auf Wolken und selbst der Fahrtwind hat keine Chance gegen 100 Kilo zusätzliches Dämmmaterial und eine sechs Millimeter dicke Doppelverglasung. Dieses Geländemonster im Hochglanz-Optik ist etwas für verwöhnte Millionäre, bei denen die Putzfrau bereits einen normalen SUV von Audi oder BMW fährt…