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50-jähriges Jubiläum für Geldautomaten in Deutschland

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August 2, 2018 views269

Bonn. Was am 27.5. 1968 noch sensationell war, ist heutzutage nichts Spektakuläres mehr. Geldautomaten stehen an jeder Ecke, während vor 50 Jahren lediglich die Kreissparkasse Tübingen über den ersten Geldautomaten verfügte. Erst gingen die Zahlen neuer Automaten steil nach oben, etwa 61.100 Stück waren es 2015, mittlerweile sind sie rückläufig, weil alternative Bezahlsysteme das Bargeld mehr und mehr verdrängen. Dabei werden 149.500 000  Girokarten zur Bargeld-Abhebung genutzt – also doppelt so viele wie Deutschland Einwohner hat. Auch erstaunlich, dass so viele Karten im Umlauf sind. Denn immer mehr Deutsche zahlen Einkäufe und Dienstleistungen laut einer Bundesbank-Studie bargeldlos. Die größte Attraktivität scheinen Geldautomaten für Ganoven zu sein, denn Woche für Woche werden irgendwo in Deutschland Automaten aufgebrochen oder gesprengt.

Eine Identifikationskarte, Lochkarten als Auszahlungsbelege und einen Spezialschlüssel, um das Geld aus dem Tresor zu holen — für den ersten Geldautomaten in Deutschland brauchten Kunden einiges an Ausrüstung. Nur 1000 Menschen hatten überhaupt das Privileg, sich an der Maschine bedienen zu können, die die Kreissparkasse Tübingen am 27. Mai 1968 aufstellte. Maximal 400 Mark konnten sie ziehen. Nicht die einzigen Unterschiede zu heute: Auch ans Bankennetz waren die Geräte noch nicht angeschlossen.

Heute ist es selbstverständlich, rund um die Uhr an Bares zu kommen. Dabei gab es erst vor 51 Jahren zum ersten Mal überhaupt eine Maschine, die Bargeld an Kunden ausgab. Mehrere Erfinder arbeiteten damals an Geldautomaten. Der des Schotten John Shepherd-Barron wurde als Erster in Betrieb genommen: Im Norden Londons stellte Barclays im Sommer 1967 das erste Gerät auf, das Schecks in Bares tauschte. Der Startschuss für die heutigen Geldautomaten: 1,65 Millionen dieser Geräte gibt es weltweit, schätzt etwa der Bankenverband. Auch für die Deutschen — ein Volk, das Bargeld bekanntermaßen besonders mag — eine tolle Erfindung. Hier gibt es etwa 58000 Stück.

Die Automaten sind nicht nur für Bankkunden ein beliebtes Ziel — sie locken auch Kriminelle an. Die manipulieren sie, um so Kartendaten und PIN auszuspionieren. Der Schaden durch fast 500 solcher Fälle, die das Bundeskriminalamt (BKA) 2017 erfasste: gut zwei Millionen Euro. Die Anzahl der Fälle legte zuletzt wieder zu. Andere Diebe sind weniger subtil, sie schneiden Automaten etwa auf oder nehmen sie gleich ganz mit. 268-mal versuchten oder schafften sie es 2017 auch, sie zu sprengen. An „beträchtliche“ Beträge seien die Räuber zum   Teil gekommen, schreibt das BKA. In den vergangenen beiden Jahren häuften sich diese Fälle. Dazu kamen neuere Methoden wie Hackerangriffe auf Netzwerke. Oder zwei Jackpotting-Fälle — die Täter lösten dabei per Software viele unerlaubte Auszahlungen nacheinander aus — mit insgesamt 1,3 Millionen Euro Schaden. Schon ohne Attacken kosten Automaten: Ein neuer kommt auf 10000 bis 30000 Euro, schreibt die Sparkasse. Hinzu kommen die Betriebskosten von 20000 bis 25000 Euro pro Stück und Jahr, sagte Jürgen Gros, Chef des Bayerischen Genossenschaftsverbands, der Deutschen Presseagentur (dpa).

Den Kosten der Bankomaten stehen Trends gegenüber, die Bargeld unwichtiger werden lassen. Etwa der boomende Onlinehandel. Hier sind Internetbezahlverfahren wie Paypal beliebt. Auch im Einzelhandel zahlen Kunden immer weniger bar. Die Deutsche Kreditwirtschaft, Dachverband der deutschen Banken und Sparkassen, geht deshalb davon aus, dass die Zahl der Automaten hierzulande weiter leicht schrumpfen wird. Den Rekordstand hätten sie demnach 2015 erreicht.

Zwar ist Bargeld immer noch das beliebteste Zahlungsmittel, besonders bei kleinen Beträgen, so eine Bundesbank-Studie. Sein Anteil sank jedoch zwischen 2014 und 2017 von 79 auf 74 Prozent. Und: Am Umsatz gemessen läuft inzwischen mehr  als die Hälfte bargeldlos. Trends wie mobiles Zahlen, Echtzeitüberweisung, Internet- und Kartenzahlungen dürften Automaten weiter Nutzer abspenstig machen. Erfinder Shepherd Barron gab diesen noch weniger Zeit: Er hatte prognostiziert, dass es schon heute kein Bargeld mehr gibt.