Nun, zwei Jahre später lässt sich feststellen, dass es Tag für Tag offenbar immer noch mehr als genug Abnehmer für die nun fast 100 Millionen Barrel gibt, die täglich gefördert werden. Es herrscht angesichts der stetig steigenden Nachfrage (siehe Grafik links) nun sogar ein Angebotsdefizit.
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Hamburg. Im Januar 2016 — der Ölpreis war im Rahmen seines dramatischen Kursrutsches gerade unter die Marke von 30 Dollar gefallen — überboten sich die Energieexperten weltweit noch regelrecht mit dem Anpassen der Kursziele für den Ölpreis nach unten. Am weitesten beziehungsweise am tiefsten wagte sich Gail Tverberg: Sie erklärte, dass der Ölpreis auch unter null Dollar fallen könne, weil es schlicht und ergreifend im Laufe des Jahres 2016 keine Lagermöglichkeiten für das nicht benötigte Erdöl mehr geben werde.

Nun, zwei Jahre später lässt sich feststellen, dass es Tag für Tag offenbar immer noch mehr als genug Abnehmer für die nun fast 100 Millionen Barrel gibt, die täglich gefördert werden. Es herrscht angesichts der stetig steigenden Nachfrage (siehe Grafik links) nun sogar ein Angebotsdefizit. Und mittlerweile sind die Marktteilnehmer auch bereit, für ein Barrel WTI wieder mehr als 70 Dollar auf den Tisch legen, bei Brent-Öl sind es sogar fast 80 Dollar. Die Hysterie von Anfang 2016 ist längst wieder verflogen. Euphorie ist indes aber noch längst nicht angesagt. Nahezu alle Ölmanager sprechen eher von einer Phase der „Normalisierung“, räumen auch immer wieder ein, dass es durchaus wieder um einige Dollar nach unten gehen könnte, aber reiben sich natürlich angesichts der laufenden Rallye die Hände. Denn bei den Ölproduzenten klingelt derzeit die Kasse natürlich kräftig.

Gründe für die aktuelle Stärke der Ölpreise gibt es viele. Das starke Chartbild gepaart mit dem positiven Momentum für den Ölpreis und dem lange Zeit schwächelnden US-Dollar, wären noch weitere Faktoren, die den Öl-Bullen derzeit voll in die Karten spielen. Für Anleger stellt sich nun natürlich die Frage, wie man jetzt noch am besten von der Öl-Hausse profitieren könnte.

Auf die Blue Chips setzen …

Ein bereits mehrfach empfohlener Weg hierfür wäre natürlich nach wie vor, einfach auf breit aufgestellte Energiekonzerne wie etwa Royal Dutch Shell oder BP zu setzen. Ein weiterer Kandidat aus dieser Kategorie wäre die Altempfehlung Total. Diese Firmen wären allesamt dank zum Teil schmerzhafter Kostensenkungsmaßnahmen mittlerweile auch bei weitaus niedrigeren Preisen noch in der Lage, schwarze Zahlen einzufahren. Nun sprudeln die Gewinne dank sehr starker Kostenstrukturen und angesichts von Ölpreisen von mehr als 70 Dollar natürlich umso kräftiger. Des Weiteren verfügen alle drei Unternehmen über enorm starke Bilanzen und investieren auch Stück für Stück gezielt in  Sektoren, die von einem Ende des Ölzeitalters — wann auch immer das letztlich eintreten sollte — profitieren würden.

Der Energie-Riese Total ist etwa durch den Kauf der französischen Saft Groupe für knapp eine Milliarde Euro im Jahre 2016 im Batteriegeschäft bereits sehr gut positioniert und baut auch sein Engagement bei erneuerbaren Energien stetig aus. Darüber hinaus läuft es aber auch im Ölsegment weiterhin rund. So erhöhten die Franzosen im ersten Quartal die Förderung um fünf Prozent auf durchschnittlich 2,7 Millionen Barrel pro Tag. Ein weiterer positiver Aspekt für die Anteilseigner: Die Quartalsdividende wurde von 0,62 auf 0,64 Euro pro Aktie erhöht. Ebenso wie bei BP und Shell können auch die Aktionäre von Total getreu dem alten Kostolany-Motto verfahren: Kaufen und schlafen legen.

 o…oder auf heiße Eisen?

Eine interessante Alternative für risikoaffine Anleger wäre der Kauf der Aktie eines Ölfelddienstleisters. Diese Branche wurde stark von den massiven Investitionskürzungen der Energie-Riesen weltweit getroffen. Ein Global Player wie der norwegische Konzern Seadrill musste sogar Chapter 11 anmelden. Favorit für ist in diesem Sektor nach wie vor die erstmals vorgestellte Saipem. Bei den Italienern hat sich zuletzt das Chartbild wieder deutlich aufgehellt. Dennoch notieren die Anteilscheine immer noch mehr als 90 (!) Prozent unter dem Niveau von 2014. Dies eröffnet mutigen Anlegern mit einem langen Atem nun eine gute Gelegenheit zum Einstieg.

Lukoil: Ein Schnäppchen für Mutige. Wer es richtig riskant mag, kann auch auf einen der größten Ölproduzenten Russlands setzen: Lukoil. Die Aktie hat gerade durch den Sprung auf ein neues Jahreshoch ein frisches Kaufsignal generiert. Auch fundamental betrachtet sieht es für den Konzern gut aus. Der Gewinn dürfte im laufenden Jahr von zuletzt 7,2 auf 8,4 Milliarden Dollar zulegen. Für das kommende Jahr rechnen Analysten sogar mit etwa 8,7 Milliarden Dollar. Mit einem 2018er-KGV von 6 ist die Aktie aktuell immer noch sehr günstig. Zudem liegt der Börsenwert mit 59,4 Milliarden Dollar unter dem zuletzt ausgewiesenen Eigenkapital von 60,6 Milliarden Dollar — eigentlich ökonomisch nicht zu rechtfertigen bei einem derart hochprofitablen Unternehmen. Dies ist aber aktuell bei fast allen anderen russischen Aktien der Fall, was ganz einfach zeigt, dass viele institutionelle Investoren dem russischen Aktienmarkt weiterhin misstrauen. Vor diesem Hintergrund sollten auch nur mutige Anleger bei Lukoil zugreifen. Petrobras: Comeback 2.0 Mutige Anleger können auch auf einen anderen Titel aus den Emerging Markets setzen: Petrobras. Der brasilianische Öl-Riese profitiert im enormen Umfang vom Comeback der Ölpreise. Schließlich litt das Unternehmen lange Zeit darunter, dass die riesigen Vorkommen im Atlantik bei einem Preisniveau von unter 60 Dollar kaum wirtschaftlich profitabel auszubeuten sind. Nun dreht sich natürlich der Wind. So erzielte der Konzern dank der höheren Ölpreise und der wieder anspringenden brasilianischen Wirtschaft im ersten Quartal einen Gewinn von 6,96 Milliarden Brasilianische Real (umgerechnet 1,6 Milliarden Euro). Das war der höchste Überschuss des Unternehmens seit 2013. Analysten erwarten für die kommenden Quartale weitere Ergebnissteigerungen Ebenfalls sehr wichtig: Petrobras kommt beim Abbau des enormen Schuldenberges von 2014 noch 109 auf nun 82 Milliarden Dollar gut voran. Die Aktie ist derzeit mit einem 2018er-KGV von 11 ein wahres Schnäppchen innerhalb der Branche, zudem stimmt auch das Chartbild derzeit zuversichtlich.

Zahlreiche Optionen für Anleger

Die Aussichten für den Ölpreis bleiben weiter gut. Zwar dürfte es über kurz oder lang zu mitunter heftigen Korrekturbewegungen kommen. Dennoch sollte es sich für langfristig orientierte Anleger durchaus lohnen, die eine oder andere Position in diesem derzeit florierenden Sektor aufzubauen beziehungsweise auszubauen. Mutige können dabei auf Lukoil, Petrobras oder Saipem setzen. Für alle, denen diese drei Aktien zu riskant sind, bieten sich die europäischen Energie-Giganten BP, Total und Royal Dutch Shell an.

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