Das soziale Netzwerk „A Small World“ wird oft „Facebook für Reiche“ genannt, aber mit dieser Bezeichnung ist Liotard-Vogt nicht sonderlich glücklich. Er spricht lieber von einem „digitalen Country-Club“: „Unsere Mitglieder sind die modernen Bonvivants, die global denken und handeln.“
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Zürich. Das Facebook für Reiche „Asmallworld AG“, durchlebt derzeit eine echte Vertrauenskrise. Jubelmeldungen bei Aktiencheck auf der einen Seite und einen Kurseinbruch um 50% der Asmallwordl-Aktie auf der anderen. Die Bafin hat am 26.04.2018 eine Warnung veröffentlicht, die es in sich hat: “Die Bafin hat eine Untersuchung wegen des Verdachts auf Marktmanipulation eingeleitet, weil im Rahmen der Kaufempfehlungen für die Aktie unrichtige oder irreführende Angaben gemacht beziehungsweise bestehende Interessenskonflikte pflichtwidrig verschwiegen würden.“

Produkt und Person lassen sich bei Patrick Liotard-Vogt schwer trennen: Der schweizerische Unternehmer und Enkel des einstigen Nestlé-Chefs Pierre Liotard-Vogt liebt den Jetset. Bei den Partys des sozialen Netzwerks „A Small World“, an dem er die Mehrheit hält, ist der 33-Jährige häufig selbst zu Gast.

„Die BaFin rät in diesem Zusammenhang allen Anlegern, vor dem Kauf von Aktien der Asmallworld AG sehr genau zu prüfen, wie seriös die Angaben sind, und sich über die betroffene Gesellschaft auch aus anderen Quellen zu informieren“, ist auf der Bafin-Homepage zu lesen.

Was war geschehen?

Über mehrere Wochen hinweg bereits kann man bei Aktiencheck – ein Angebot der Aktiencheck AG -vielfältige Jubelmeldungen über das Social-Network zu Asmallworld lesen – allerdings ohne Substanz für einen Aktieninhaber. Es werden meist hohe Gewinne für Investoren in Aussicht gestellt, die jedoch bei näherem Hinsehen nur von Facebook und Co. erreicht wurden. Ob sich Asmallworld in die Riege der Großen jemals einreihen kann, ist mehr als fraglich. Dennoch sind bis heute auf Aktiencheck immer wieder neue Aktienempfehlungen zu lesen. „Reboundchance vor 30 Mio. Euro Übernahme, Bester Social Media Hot Stock 2018 nach 989% mit Facebook“ heisst es darin unter anderem. Gründer Jan Lüschner weist jede Verantwortung für die unseriösen Kaufempfehlungen von sich und behauptet, ein Anleger hätte ohne sein Wissen die Kaufempfehlungen gekauft.

Asmallworld AG dementiert und geht zum Angriff über

Auf die Bafin-Meldung hat Jan Leuscher kurz nach der Veröffentlichung reagiert und beteuert, dass er nicht der Auftraggeber der ihm nützenden Kampagne sei. Wenig später erfolgt sogar noch eine eigene Pressemeldung, in der ein „Erfolg“ vermeldet wird: “Die ASMALLWORLD AG kann auf ein starkes Wachstum im ersten Quartal zurückblicken. Des Weiteren konnte die ASMALLWOLD AG, wie gestern mittels Ad-hoc Mitteilung angekündigt, eine Call-Option-Vereinbarung mit einer mitgliedschaftsbasierten Luxus Reise-Community abschließen, die zurzeit hauptsächlich in der DACH-Region tätig ist und sieht großes Potenzial in dieser möglichen Akquisition. „Die ASMALLWORLD AG hat bis zum 30. November 2018 die Möglichkeit, die Call-Option auszuüben und die Gesellschaft vollständig zu übernehmen.“, heißt es darin. Vermutlich empfanden es viele Investoren als seltsam, dass kurz nach den negativen Schlagzeilen, plötzlich diese Meldung vom Unternehmen kommt. Und so wollte es die Journalistin Dr. Diehl genauer wissen und übersandte eine Presseanfrage an Asmallworld-Vorstand Jan Lüschner, doch der verwies auf seine Stellungnahme und hüllt sich, insbesondere zu den Erfolgen, in Schweigen.

Abdruck der kompletten Presseanfrage vom Transatlantic Journal:

Die Aktie der ASMALLWORLD AG ist vor wenigen Tagen nach einer Bafin-Meldung kurzzeitig eingebrochen. Die Bafin spricht in der Warnung vom 26.04.2018 unter anderem von „bestehenden Interessenskonflikten, die pflichtwidrig verschwiegen werden“. In welchem Verhältnis stehen Sie zum versendeten E-Mail-Börsenbrief, und was sagen Sie zu den Bafin-Vorwürfen?

Jan Lüscher: Keine Antwort auf die Frage

 

Werden Sie rechtliche Schritte gegen den Auftraggeber und Versender des Briefes einleiten?

Keine Antwort

 

Sie schreiben in einer Pressemeldung:“ Die ASMALLWORLD AG kann auf ein starkes Wachstum im ersten Quartal zurückblicken.“. Können Sie diese Aussage in Zahlen definieren?

Keine Antwort

 

Mit welcher mitgliedschaftsbasierten Luxus-Reise-Community haben Sie eine Call-Option-Vereinbarung geschlossen und wie lange ist die Community am Markt bzw. wie erfolgreich ist sie?

Keine Antwort

 

Wie schätzen Sie die mittelfristigen Zukunftsaussichten von ASMALLWORLD AG ein und was haben Sie in diesem Jahr mit dem Netzwerk geplant?

Keine Antwort

 

Glauben Sie, dass ASMALLWORLD konkurrenzfähig zu etablierten sozialen Netzwerken sein wird?

Keine Antwort

 

Wo wird die Aktie am Ende des Jahres stehen und warum?

Keine Antwort

 

Warum hüllt sich Jan Lüschner in Schweigen?

Das Social-Network für Reiche ist aus unserer Sicht ein interessantes Projekt und hat großes Potenzial zumindest im Nischenmarkt der Wohlhabenden eine führende Rolle zu übernehmen. Jedoch ist die Intransparenz des Unternehmens und das Fehlen von Fakten für die Erfolgsmeldungen ein Indiz, das zur Vorsicht rät. „Die BaFin rät allen Anlegern, vor Erwerb von Aktien dieser Gesellschaft sehr genau zu prüfen, wie seriös die Angaben sind, und sich über die betroffene Gesellschaft auch aus anderen Quellen zu informieren“ und dem schließe ich mich an.

1 Kommentar

  1. was hat der mann zu verheimlichen? Er ist dem Unternehmen und den Anlegern gegenüber verpflichtet, und da sollte er Rede und Antwort stehen. Warum macht er das nicht? Das riecht nach Schummelei und evtl. Mißmanagement.

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