Paradise Papers: Spielverderber der Mega-Reichen?

Je mehr Geld verdient wird, desto weniger Bereitschaft ist vorhanden, den vollen Steuersatz zu entrichten. So ist es zumindest bei einem Großteil der vermögenden Unternehmer und Privatpersonen. Dabei haben alle Personen und Firmen, die in den Paradise Papers aufgeführt werden, mehr als genug Kohle, um jetzt und in vielen Jahren und Jahrzehnten noch bestens davon zu leben.

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Brüssel. Die Reichen werden immer reicher, weil sie die neuesten Steuertricks dank teurer Berater kennen, oder ihnen neue Geld-Parkmöglichkeiten angeboten werden, die niemand kennt, vor allem kein Finanzbeamter. Die Kleinverdiener dagegen müssen jeden Steuersatz in vollem Umfang bezahlen. Aber die Paradise-Papers decken genau diese Tatsache schonungslos auf, und geben der Boulevardpresse und den übrigen Medien neue „Nahrung“, um sich das „Maul zu zerreißen“ über die „bösen“ Super-Reichen. Deren „Steuervermeidungs-Strategien“ werden offengelegt, und es werden Namen genannt. Die Genannten sehen es allerdings gelassen, weil legale Steuertricks nicht verboten sind und eben nur denjenigen vorbehalten sind, die auch eine Menge zu versteuern bzw. am Finanzamt vorbei zu jonglieren haben und außerdem über das nötige Kleingeld verfügen, um entsprechende Berater zu bezahlen.

Je mehr Geld verdient wird, desto weniger Bereitschaft ist vorhanden, den vollen Steuersatz zu entrichten. So ist es zumindest bei einem Großteil der vermögenden Unternehmer und Privatpersonen. Dabei haben alle Personen und Firmen, die in den Paradise Papers aufgeführt werden, mehr als genug Kohle, um jetzt und in vielen Jahren und Jahrzehnten noch bestens davon zu leben. Dennoch suchen sie selbst oder ihre beauftragten Steuerexperten nach immer neuen Steuer-Schlupflöchern, um die Abgaben an den Staat möglichst gering zu halten oder zu umgehen. Was nicht in jedem Fall verboten ist, aber dennoch die Akribie aufzeigt, mit der diese Herrschaften nach Steueroasen oder -Sparmodellen suchen. Die Finanzströme in Steueroasen, vor allem in die weltweit verschachtelten Niederlassungen irgendwelcher Finanzberater bieten ausreichend Möglichkeiten, um Spuren zu verwischen oder die Verfolgung der Wege des Geldes zu erschweren. Was vormals die „Panama-Papers“ waren, sind jetzt die „Paradise-Papers“, die aufzeigen, wie versucht wird, Steuer- und Finanzkonstrukte auszunutzen. Über 13 Mio. Dokumente sind darin enthalten, die mittlerweile ausgewertet werden. Dabei zeigt sich, dass in großer Anzahl Politiker in den Unterlagen auftauchen, die teilweise auch in dubiose Finanzdeals und Verschleierungen verwickelt sein sollen – neben der üblichen Klientel wie Stars aus Sport- und Unterhaltung und Unternehmer. Vorrangig die Größten der Großen, welche über Milliardenvermögen verfügen und als „Steuermuffel“ identifiziert werden. Mit dem Auftauchen der Paradise-Papers geht es hauptsächlich auch um das Thema Steuergerechtigkeit, welche für den „Otto-Normalverbraucher“ kaum Vorteile und Chancen bietet, während die „Big-Player“ immer neue Steuer-Vermeidungsstrategien entwickeln können. Nach derartigen Enthüllungen wird der Ruf nach modifizierten Steuermodellen immer sehr laut, denn es hat etwas Anrüchiges, wenn Personen des öffentlichen Lebens an den „Pranger“ gestellt werden, weil sie offensichtlich den Hals nicht vollkriegen können. Spätestens dann fällt auf, dass der „kleine Mann“ keine Finanz-Lobby besitzt, und somit offensichtlich benachteiligt wird. Die EU hat jedenfalls bereits reagiert und verlauten lassen, dass alles Länder, die solche Steuerschlupflöcher bieten, auf eine „schwarze Liste“ kommen sollen und somit stigmatisiert werden. Mit möglichen Konsequenzen für zukünftige Handelsbeziehungen oder Ähnliches. Doch wen von den Reichsten der Reichen schert es, wenn die weite Welt weiß, dass sie Vermeidungsstrategien zum Sparen von Steuergeldern entwickeln. Spätestens in ein paar Wochen ist Gras über die Angelegenheit gewachsen und dann heißt es wieder für alle: Business as usual!

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