Deutschland, Land der kleinkarierten Bürokraten

Viele Unternehmen machen ihrem Unmut über den übertriebenen Bürokratismus mittlerweile Luft, indem sie sich öffentlich beklagen, so wie jüngst der Chef eines der größten deutschen Bauunternehmen, Peter Hübner, der gleichzeitig Vorstand der STRABAG und Präsident des Baugewerbes ist. Er moniert, dass Bürokratie sogar die Arbeitsplätze gefährden würde. Er geht so weit zu behaupten, dass übertriebene Bürokratie Bauprojekte verhindert und somit vorhandene Gelder nicht investiert werden können.

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Stuttgart. Der überzogene Bürokratismus in Deutschland schadet uns mehr als das er fortschrittlich wäre. So oder ähnlich beurteilen viele mittlerweile den bürokratischen Wahnsinn, der aus deutschen Amtsstuben über das Land herniederregnet. Es sind Milliardenbeträge, die unnötiger Weise verpulvert werden, weil in den Ämtern und Verwaltungen kleinkariert und unökonomisch an veralteten Prinzipien festgehalten wird.  Dabei wäre ein Bürokratie-Abbau ein wichtiges Signal, um das Alltags- und Wirtschaftsleben leichter zu machen. Doch Deutschlands Beamte tun sich sehr schwer damit, dabei zeigen uns unsere Nachbarn aus den Niederlanden, wie es viel einfacher geht. Dort wurde der bürokratische Aufwand längst verringert und trotzdem können alle Richtlinien befolgt und eingehalten werden.

Die bürokratischen Regelungen und Gesetze kosten Zeit und Geld, damit sie vernünftig eingehalten werden können. Damit werden sie zum Störfaktor für reibungslose Abläufe speziell in der Wirtschaft. Denn viele Unternehmen müssen speziell Mitarbeiter einstellen, die sich um die Einhaltung und Befolgung bürokratischer Richtlinien kümmern. Und werden mal bürokratische Hürden per Gesetz abgebaut, werden gleich neue installiert, die lediglich umformuliert oder modifiziert wurden. Arbeitsabläufe werden regelrecht behindert, wenn es darum geht, bürokratischen Papierkram zu erledigen und die Einhaltung von Richtlinien zu dokumentieren. Da wiehert der Amtsschimmel aus vollem Halse, während Unternehmen und Arbeitgeber den Kopf schütteln. Deutschland ist das Paradebeispiel dafür, wie man sich das Leben selbst schwermachen kann, ohne einen erkennbar höheren Nutzen daraus zu ziehen. Wie es heißt, verwenden täglich zehntausende Selbständige, Angestellte und Unternehmer viel Zeit darauf, Nachweise zu erbringen, Belege abzuheften, Anträge auszufüllen und Genehmigungen einzuholen. Die Kosten dafür gehen tatsächlich in zweistellige Milliardenbeträge. Unglaublich aber wahr. Viel einfacher wäre es doch, so die Meinung vieler Betroffener, vor Einführung einer neuen Verordnung erst einmal zu fragen, ob es nicht auch ohne eine solche geht. So wie man von den Japanern behauptet, dass diese sehr diszipliniert wären, und von den Holländern, dass sie sehr liberal eingestellt wären, muss man von den Deutschen sagen, dass diese kleinkariert und pingelig bei offiziellen und behördlichen Vorgängen sind. Sind wir Deutschen überkorrekt, oder einfach ein vom Beamtenstatus dominiertes Volk.

Viele Unternehmen machen ihrem Unmut über den übertriebenen Bürokratismus mittlerweile Luft, indem sie sich öffentlich beklagen, so wie jüngst der Chef eines der größten deutschen Bauunternehmen, Peter Hübner, der gleichzeitig Vorstand der STRABAG und Präsident des Baugewerbes ist. Er moniert, dass Bürokratie sogar die Arbeitsplätze gefährden würde. Er geht so weit zu behaupten, dass übertriebene Bürokratie Bauprojekte verhindert und somit vorhandene Gelder nicht investiert werden können. Ein gesamtwirtschaftlicher Schaden, der u.a. dadurch verschlimmert wird, dass die vielen, teils unnötigen Auflagen die Baukosten zusätzlich erhöhen. Als Ergebnis des typisch deutschen Beamtentums sieht er z.B. die Dämmkosten beim Hausbau, um die Energieeffizienz zu erhöhen, welche allerdings in einem Missverhältnis zwischen Aufwand und Ergebnis stehen, dennoch als Resultat der Energiesparreform unbedingt einzuhalten seien. Und so gibt es unzählige andere Beispiele, die belegen, dass Deutschland ein Beamtenstaat ist, der unbedingt reformierungsbedürftig ist. Wie verstecken uns hinter Gesetzen, wenn es um wichtige Entscheidungen wie z.B. das Abschiebegesetzt oder die Obergrenze bei der Zuwanderung geht. Wir schauen immer noch einmal herüber nach Brüssel, ob es da nicht noch ein Europagesetz gibt, welches uns eine Entscheidung abnehmen könnte. Irgendwie komplett veraltet und unmodern.  Es wurden bereits Bücher über die unsinnigen Auswüchse der Bürokratie geschrieben – wer diese liest, der kann sich kaum vorstellen, dass wir Vorreiter in Sachen Forschung und Entwicklung sein wollen, dass Deutschland den Anspruch hat, Industrienation Nr.1 zu werden. Ganz ohne Regeln und Gesetze geht es zwar nicht, aber Deutschland reguliert sich kaputt und macht sich zum Gespött unserer europäischen und globalen Nachbarn. Auch fehlt es offensichtlich an der Fähigkeit, komplizierte Sachverhalte einmal einfach auszudrücken, und mit weniger Aufwand einen größeren Nutzen zu erzielen. Da haben wir allem Anschein nach großen Verbesserungsbedarf.

 

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