Baukonzerne ACS und Atlantia streiten um Albertis

Hochtief-Aufseher wollen wachsam bleiben. Sie müssen die Interessen der Minderheitsaktionäre wahren, sonst gehen sie ein unkalkulierbares juristisches Risiko ein. IG-Bau-Funktionär Carsten Burckhardt fordert auf der nächsten Sitzung am 20. September Tacheles: „Wir wollen wissen, woran wir sind“.

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Madrid. Der Mann hat das Verlieren offenkundig verlernt: Florentino Pérez  ist Präsident des Fußballdauersiegers Real Madrid. Manche halten den mythenumrankten Milliardär (geschätztes Vermögen: zwei Milliarden Euro) gar für den heimlichen König Spaniens.

Jetzt hat sich Pérez, in seiner Eigenschaft als Hauptaktionär und Chef des größten spanischen Baukonzerns ACS, in einen brisanten und hochpolitischen Bieterkampf eingeschaltet. Mittendrin: das Essener Bauunternehmen Hochtief, das ACS zu 72 Prozent gehört. Es geht um den Autobahnbetreiber Abertis, eine Perle der Zunft und Spaniens gleichermaßen. Im Mai legte der römische Konkurrent Atlantia ein Kaufangebot über 16,3 Milliarden Euro vor. Die Firma gehört zum Teil den Benettons; Gilberto Benetton wacht im Aufsichtsrat über das schnelle Fortkommen.

Für die Familie wäre es ein guter Deal, für die Finanzierung haben sie jährliche Zinskosten von läppischen 1,9 Prozent ausgehandelt: „Right Size, right time, right cost“, schwärmt Atlantia von sich selbst. Abertis und Atlantia wären zusammen globaler Marktführer, mit einem kostenpflichtigen Streckennetz von 14 000 Kilometern, das pro anno 6,6 Milliarden Euro Gewinn (Ebitda) einbringt.

Die spanische Regierung indes ist wenig begeistert, einen zentralen Teil der Infrastruktur ans Ausland zu verlieren. Zumal sich einige noch an das Jahr 2006 erinnern: Damals wollte Abertis Atlantia (vormals Autostrade) übernehmen. Der italienische Staat sagte: No.

Für die Retourkutsche präpariert sich nun Pérez, im Dienste des Vaterlands. Doch ACS, nach langer Krise gerade erst mit Investmentrating ausgestattet, kann einen Abertis-Erwerb kaum allein stemmen. Erste Gespräche mit dem Finanzinvestor CVC über eine Mitfinanzierung hat es bereits gegeben. Vor allem aber erwägt ACS, die gute Bilanz seiner Tochter Hochtief zu nutzen. Bei einer Analystentelefonkonferenz Ende Juli kündigte Hochtief-Chef Marcelino Fernåndez Verdes an, es könne sein, dass ACS Hochtief bitte, eine Übernahme von Abertis zu prüfen — das Erschrecken in Essen war groß.

Der Großteil des Gebots soll wohl über einen Hochtief-Kredit finanziert werden: Zehn Milliarden Euro kursieren als Zahl. Profitieren würden von dem Geschäft vor allem ACS (Synergien) und Pérez (Helden-Status).

Hochtief-Aufseher wollen wachsam bleiben. Sie müssen die Interessen der Minderheitsaktionäre wahren, sonst gehen sie ein unkalkulierbares juristisches Risiko ein. IG-Bau-Funktionär Carsten Burckhardt fordert auf der nächsten Sitzung am 20. September Tacheles: „Wir wollen wissen, woran wir sind“.

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