Wie sich „Gemeinnützige Vereine“ an den Spendengeldern bedienen

Stiftung Warentest hat bereits öfters gewarnt, dass speziell bei Tier- und Umweltschützern die Spendengelder versickern, wie Analysen unzähliger Vereine bewiesen haben. Bei Transparenz und dem wirtschaftlichen Einsatz der Gelder gibt es immer wieder erhebliche Ungereimtheiten. Deshalb sei allen Spendern unbedingt geraten, sich die Finanzen eines Vereins anzuschauen, d.h. diesen zu bitten, die Finanzen offen zu legen, bevor man sich zum Spenden entschließt.

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Berlin. In der Bundeshauptstadt wird ja mit Gesetzen um sich geworfen, dass es eine wahre Freude ist. Aber dass mal jemand auf die Idee kommt, die Mittelverwendung bei den gemeinnützigen Vereinen stärker zu kontrollieren und zu begrenzen, da ein Großteil der gespendeten Gelder niemals beim geplanten Empfänger ankommt, daran denkt offenbar niemand. So werden Millionengeschäfte mit der Gemeinnützigkeit gemacht, von deren Hintergründen die arglosen Spender keine Ahnung haben. Es wird Zeit, dass dieses einmal deutlich zur Sprache kommt, damit dem „Selbstbedienungs-Laden“ Spendenverwendung mal endlich ein großer Riegel vorgeschoben wird und den vielen wohlmeinenden Spendern die Augen geöffnet werden.

Vermehrt im Sommer und in den sonnigen Jahreszeiten tauchen sie auf, die Karawanen von Spendensammlern, die gut organisiert an öffentlichen Plätzen, in Einkaufspassagen und belebten Straßen herumlungern und Passanten ansprechen. Sie arbeiten für die mehr als 18.000 Stiftungen oder etwa 600.000 registrierten Vereine, die Jahr für Jahr mehrere Milliarden Euro von hilfsbereiten Bürgern einsammeln. Die Sprache ist von 5-6 Milliarden Euro im Jahr! Eine unglaubliche Summe, wenn man bedenkt, das davon etwa 50% zweckentfremdet werden – mit Hilfe der Gesetzgebung. Denn so viel Geld darf für die sogenannten Verwaltungskosten abgezweigt werden. Geld, was nicht satzungsgemäß verwendet wird. Obwohl dieses im guten Glauben an eine helfende Verwendung gespendet wurde. Ausschließlich beim Blick in die Jahresbilanz eines Vereins lässt sich feststellen, wer was von den Spendengeldern bekommen hat. Wieviel der Vorstand verdient, wie teuer Miete für Vereinsimmobilien, Kosten für Fuhrpark, Angestellte, Vertriebsmitarbeiter, etc. sind. Allerdings weiß dabei immer noch niemand genau, ob die eingesammelten Gelder auch alle korrekt verbucht wurden, oder ob diese teilweise in dunkle Kanäle abgeflossen sind. Das Betätigungsfeld für Betrüger ist hier riesengroß. Einzig und allein der Vereinsvorstand weiß, was mit den Geldern passiert ist. Ob sich jemand bereichert hat, ob übermäßig hohe Kosten anfallen, ob der Fuhrpark, wenn einer betrieben wird, angemessene Fahrzeuge umfasst oder ob geprotzt wird auf Kosten der Spender. Es gibt genügend Vorwürfe, die in diese Richtung gehen. Denn ein Verein, auch gemeinnützig, ist schnell gegründet, und öffnet dadurch auch Betrügern Tür und Tor. Es genügen 2 Gründungspersonen, die wiederum 7 Mitglieder nachweisen müssen, dann wird der Verein dem Finanzamt gemeldet und ins Vereinsregister eingetragen werden. In diesem Moment ist der Verein geschäftsfähig, und kann loslegen Gelder einzusammeln. Egal wie, egal wieviel. Die Mittelverwendung muss vorher festgelegt worden sein – aber wie gesagt: jeder Verein darf Kosten entstehen lassen, die von den Spendengeldern beglichen werden. Und da sprechen wir von 50-60% der Spendengelder. Wer das auf Seiten der Wohltäter weiß, wird sich zukünftig sehr genau überlegen, ob und wem er Spendengelder zukommen lässt.

Stiftung Warentest hat bereits öfters gewarnt, dass speziell bei Tier- und Umweltschützern die Spendengelder versickern, wie Analysen unzähliger Vereine bewiesen haben. Bei Transparenz und dem wirtschaftlichen Einsatz der Gelder gibt es immer wieder erhebliche Ungereimtheiten. Deshalb sei allen Spendern unbedingt geraten, sich die Finanzen eines Vereins anzuschauen, d.h. diesen zu bitten, die Finanzen offen zu legen, bevor man sich zum Spenden entschließt. Auch die besonders beliebten Aktionen, bei denen Passanten draußen angesprochen werden und zu einer Unterschrift und zur Abgabe der Bankverbindung gedrängt werden, haben einen sehr faden Beigeschmack und erinnern an „Drückergeschäfte“ (den Angesprochenen zu einer Unterschrift drängen).  Man sollte nicht übereilt einen Mitgliedsantrag unterschreiben und vor allem nicht seine Bankverbindung preisgeben. Denn plötzlich hat man beispielsweise eine Abbuchungserlaubnis unterzeichnet, die den Vereinen alle Möglichkeiten bietet, um sich beim Spender zu bedienen. Zwar kann man Gelder zurückbuchen lassen, aber der Ärger ist jedes Mal riesengroß und kostet Zeit und Nerven. Wer beim Spenden halbwegs auf Nummer sich gehen will, der orientiert sich am Spendensiegel, welches jeweils für ein Jahr vergeben wird, und dem Verein sachgerechtes seriöses Wirtschaften attestiert. Dieses Gütesiegel garantiert, dass ein Verein geprüft wurde auf bestimmte Nachweise, die Verwendung der Gelder, Kosten und Wirtschaftlichkeit betreffen. Dies ist allemal besser, als eben mal im Vorbeigehen in eine Spendendose, die einem vor die Nase gehalten wird, ein paar Münzen zu stecken. Was mit diesen Geldern geschieht, das weiß nur derjenige, der die Spendenbüchse kreisen lässt. Und erfahrungsgemäß werden solche Spendengelder am Abend dann in die eigene Tasche gesteckt. Von dieser Art Hilfsbereitschaft ist unbedingt abzuraten.

2 Kommentare

  1. Auch dem Spendensiegel ist nicht zu trauen, GERADE was solche Drückerkolonnen (Spendensammelfirmen, welche heute erste 2-3 Jahresspenden für sich „abzweigen“). Das Siegel wird ja vom Deutschen Zentralinstitut für Soziale Fragen (DZI) abgegeben. Der Spiegel schrieb bereits 1994 (Artikel „Arm rechnen, arm reden“): „Vor allem die grossen Organisationen wehrten sich jahrelang gegen das Spenden-Siegel. Zwar unterschrieben die Wohltätigkeitsmultis schliesslich 1991 die DZI-Richtlinien. Doch sie versuchen seither, die Kriterien zu verwässern. So sorgten sie im Dezember (1993) dafür, dass unseriöse Haustürwerbung durch bezahlte Drückerkolonnen in den Leitlinien nicht mehr grundsätzlich geächtet werden soll.“

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