HR Transformation will Allianz-CEO Oliver Bäte betreiben.
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München-Schwabing. Nicht weit von der blassgrünen, denkmalgeschützten Konzernzentrale entfernt, besitzt die Allianz eine schmucke, in eleganten Beigetönen gestrichene Gründerzeitvilla. Hier residierten lange die konzernweit höchst dotierten Manager, damals, als die Tochter Allianz Capital Partners noch die größte Private-Equity-Gesellschaft Deutschlands war.

Tempi passati — seit einigen Monaten sitzt hier eine Truppe, deren Geschäft nicht Aufbau, sondern Abbau ist. Von CEO Oliver Bäte eingesetzt, soll das „HR Transformation“-Team die größte Restrukturierung organisieren, die die Personalabteilung der Allianz je gesehen hat.

Seit Bäte vor gut zwei Jahren an die Spitze gerückt ist, hat er fast den ganzen Konzern in Wallung versetzt. Sein Ziel, den Einfluss der Zentrale auszubauen und die traditionell mächtigen Landesorganisationen zu beschneiden, stößt vor allem der für Deutschland zuständigen Managementriege auf.

Eine „Global Digital Fact01Y“ soll zukunftsfähige Policen entwickeln, der Start-up-Hub Allianz X zentral für die Gruppe in Insurtechs investieren. Parallel dazu werden unter den Labels „one.Finance“ und „HR Transformation Program“ in den Finanz- und Personalabteilungen konzernweit die Doppelstrukturen geschleift.

Von den Personalern, die zurzeit Stellenabbau und Abfindungsprogramme für Tausende von Mitarbeitern managen müssen, wird dabei besondere Flexibilität verlangt. Das Group Center Human Resources (HR), das die Personalarbeit des Konzerns von München aus weltweit koordiniert, wird eingedampft, gleichzeitig werden die Abteilungen der operativen Töchter kräftig beschnitten. Dafür baut Bäte überall in der Welt Kompetenzzentren auf, die Themen wie Vergütung oder Rekrutierung mit virtuellen Teams global organisieren.

So mancher — etwa der Ende Dezember ausscheidende Finanz-Chef Dieter Wemmer— zweifelt, ob das überhaupt praktikabel ist. Teuer ist es auf jeden Fall erst mal, wie so viele der Bäte-Projekte:

Die IT-Umstellung wird 100 Millionen Euro kosten.

Immerhin öffnet der Umbau den Weg für — womöglich massive — Outsourcingprogramme. Insidern zufolge wird etwa über die Auslagerung der Personalverwaltung sowie der Lohn- und Gehaltsbuchhalter nachgedacht.

Wemmer hat bei seiner Steuerabteilung vorgeführt, wohin die Reise geht: Die Hälfte der 60 internen Steuerberater und Wirtschaftsprüfer wechselt zu einer externen Kanzlei, die dann die Allianz-Steuererklärungen erledigt. Das alles soll helfen, die Eigenkapitalrendite bis Ende 2018 auf 13 Prozent und das Gewinnwachstum je Aktie auf 5 Prozent hochzuschrauben. Dafür nimmt Bäte personelle Kollateralschäden in Kauf. Dem CFO der Deutschland-Tochter, Burkhard Keese, und dem Kopf der Industrieversicherung, Chris Fischer Hirs, werden Abwanderungsgelüste nachgesagt, da sie bei der Neubesetzung des Holdingvorstands nicht zum Zuge kamen. Maximilian Zimmerer verließ den Allianz-Vorstand schon Ende 2016, genervt von Bätes Stil und Strategie.

Dass der hochloyale Investment und Lebensversicherungsprofi nun die Munich Re und damit den Rivalen Ergo vom Aufsichtsrat aus berät, verstört viele. Im Rat der Allianz Leben, wo er Ende Juni ausschied, werden seine Beiträge schmerzlich vermisst.

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