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Cash mit Trash- Wie Deutschland an Krisen anderer verdient

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Juli 12, 2017 views623

Berlin. Die Europäische Union wurde am 01. November 1993 gegründet, um zum einen dem sich nach dem zweiten Weltkrieg anbahnenden Ost-West-Konflikt Einhalt zu gebieten und zum anderen Deutschland in ein Konzept einzubinden, sodass es nicht wieder zu einer Bedrohung der Nachbarstaaten werden würde.

Den Grundstein für die heutige EU legte damals der französische Außenminister Robert Schumann bereits am 09. Mai 1950, indem er eine Vereinigung der französischen und deutschen Schwerindustrie vorschlug. Im Laufe der nächsten Jahre ließen sich, unter anderem durch die „Römischen Verträge“ immer mehr europäische Staaten dafür begeistern und traten der damals noch Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) sowie der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom) bei, bis schließlich durch den Maastricht-Vertrag alle Vereinigungen zu der heutigen Europäischen Union fusioniert wurden.

Anlässlich des 60-jährigen Jubiläums (Römischen Verträge) der EU wird diese als Garant für Frieden und Wohlstand für alle EU-Bürger, als Beschützer der Schwachen und Wächter der Ordnung, als Helfer in Not und Bürge der Gesundheit dargestellt. Doch ist dem so? Ist die EU wirklich wie eine „große Familie“, die „sich zwar ab und zu streitet, sich dann aber auch wieder versöhnt“? Tatsächlich profitieren einige Länder am Verderb anderer.

Gerade Deutschland, so antwortete kürzlich das Bundesfinanzministerium auf Fragen der Grünen im Bundestag, verdiene zum Beispiel viel Geld an der Griechenland-Krise. Als Land mit einer Top-Bonität, erhält die Bundesrepublik viel Geld mit kleinen Zinsraten, insbesondere in Zeiten der Nullzinspolitik, und verleiht dies in Form von Hilfskrediten an Griechenland mit weitaus höheren Zinsraten weiter. Auch an Anleihekaufprogrammen der Europäischen Zentralbank (EZB) habe Deutschland knapp eine Milliarde Euro Gewinn erzielt. Sicherlich übernimmt Deutschland auch die Bürgschaft bei Zahlungsausfällen, welche hohe Kosten verursachen würden, doch würde es Deutschland gewiss nicht so weit kommen lassen. Gesetzeswidrig sind solche Geschäfte sicherlich nicht, doch sind sie genauso unsolidarisch. Längst haben viele Europäer erkannt, dass es bei den sogenannten „Hilfspaketen“ gar nicht um geschenkte Hilfe, wie es der Begriff suggerieren soll, sondern vielmehr um Geschäfte mit hohen Erträgen geht.

Doch das ist längst nicht alles. Als eine der größte Exportnationen weltweit ist die Bundesrepublik auf Außenhandel angewiesen, um die Konjunktur am Laufen zu halten. Wie kommt es also, dass deutsche Exportwerte von Jahr zu Jahr stetig steigen? Gewiss spielt dabei das schon als Gütesiegel angesehene „Made in Germany“ nicht die einzige Rolle. Vor 3 Jahren verlor der Euro im Vergleich zum amerikanischen Dollar immens an Wert. Was sich zunächst unbefriedigend anhört, ist für die deutsche Wirtschaft sehr profitabel. Durch den schwachen Euro sind deutsche Produkte für das Ausland günstiger. Also bevor sich ein Land wie China beispielsweise Maschinen aus Amerika oder Großbritannien zulegt, kauft es dann doch lieber die vergleichsweise genauso guten Produkte aus Deutschland zum kleineren Preis. Auch laufen die Geschäfte mit anderen EU-Ländern laut jüngsten Berichten besser.

Man könnte meinen, das wäre ein Zeichen der steigenden Kaufkraft in Ländern wie Spanien, Italien und Co. Doch während mehr Geld aus diesen Ländern durch Importe rausfließt als durch Exporte eingenommen wird, füllen sich Deutschlands Kassen weiter. Dieses Verhalten der deutschen Regierung wird unter anderem vom IWF (Internationaler Währungs-Fonds) schon länger bemängelt. Auch steigt der Unmut gegenüber Deutschland im Rest-Europa weiter an und Stimmen über soziale Netzwerke rufen sogar zum Boykott gegen Deutschland auf. So sieht die portugiesische Zeitung Público die größte Bedrohung Europas nicht etwa in Terrorismus, Europaskeptikern oder Populisten, sondern in Schäuble.  Als Paradebeispiel hierfür müssen leider wieder einmal die Griechen herhalten. Statt Investitionen anzureizen, die die nahezu stillstehende griechische Wirtschaft ankurbeln und Maßnahmen zur besseren Ordnung und steigende Stabilität festzulegen, werden immer härtere Sparmaßnahmen getroffen und das Land „kaputt gespart“, indem weitere Steuern erhöht, das Rentenalter verlängert und Ausgaben gekürzt werden.

Immer wieder klagen die Griechen, „es geht nicht mehr!“. Doch der harte Kurs Schäubles wird eisern durchgesetzt und ließ andere Länder ebenso erzittern. Nun jedoch wandelt sich diese Furcht in immer größere Wut um. Fragwürdig ist, ob der GREXIT tatsächlich verhindert, oder doch nur verschoben wurde und damit gleichzeitig auch andere EXIT’s angeheizt wurden. Großbritannien hat gezeigt, wenn man wirklich will, geht’s auch. Somit sind die Hemmungen bei den anderen EU-Staaten schon einmal deutlich gesunken…