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Allianz: Kritik macht aus Oliver Bäte einen besseren Mensch

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Juli 10, 2017 views1914

München. Eine Zeit lang gehörte die App Plane-Finder zu den Must-haves der passionierten Lästermäuler in der Allianz-Zentrale am Englischen Garten in München. Präzise gesagt, in den Wochen zwischen Ende Januar und Mitte Februar, als die „Welt am Sonntag“ über auffällig häufige Stopps des firmeneigenen Jets in Köln berichtete, dem Wohnort von Allianz-Konzernchef Oliver Bäte, das Transatlantic-Journal berichtete.

Mit der 4,49 Euro teuren Software ließ sich auf dem Smartphone genau verfolgen, in welcher Richtung die Dassault Falcon 2000 LX unterwegs war oder auf welchem Flughafen sie gerade stand. Bald nach dem Schlagzeilengewitter wollte die App allerdings partout keinen Zielflughafen im Rheinland mehr ausspucken. Eigentlich überraschend: Hatte doch Allianz-Compliance-Chef Thomas Lösler gar nichts Regelwidriges an Bätes Flugreisen finden können. Die Stopps in Köln, so Löslers Urteil, seien keinesfalls privat, sondern stets dienstlich veranlasst gewesen.

Seit ein paar Wochen reagiert der Jet-Tracker überhaupt nicht mehr auf die zuvor so heiß gehandelte Registration-Mark D-BLTA. Der Code ist nicht mehr gültig, weil das Fluggerät Ende Mai durch eine Dassault Falcon 900 EX ersetzt wurde. Das neue, etwas stärkere Flugzeug hatte Bäte bereits zu seinem Amtsantritt im Frühjahr 2015 bestellt.

Die auf der Mittelmeerinsel Malta registrierte Maschine (Kennung: M-ILTA) hat drei statt zwei Triebwerke und eine um 1000 Kilometer höhere Reichweite. Dennoch soll sie, so betont Bäte, im Unterhalt günstiger sein als das Vorgängermodell. Weil er dabei aber ausdrücklich mit den Kosten je Flugstunde argumentiert, geht diese Rechnung nur auf, wenn der Flieger deutlich besser ausgelastet ist.

Und so hat der Allianz-Chef rechtzeitig zur Inbetriebnahme neue Nutzungsrichtlinien an seine Topführungskräfte verteilen lassen. Anders als bislang dürfen ab sofort nicht nur die Konzernvorstände den Jet buchen, sondern auch die erste Führungsebene darunter.

Bislang war es Gesetz, dass Abteilungsleiter und die CEOs der Tochtergesellschaften höchstens mal einen ihrer Holdingvorstände im Jet begleiten durften. Was ausgesprochen selten vorkam, weil die Mitflieger ordentlich draufzahlen mussten. Üblicherweise wurde dem Fluggast der Preis eines Business- oder (falls verfügbar) Firstclass-Tickets auf die Kostenstelle gebucht, wenn er allein mit seinem Konzernvorstand in der mit zehn Sitzen ausgestatteten Kabine saß.

Dieser Schmerz soll jetzt wegfallen. Nutzen die Abteilungschefs den Flieger künftig, landen die anfallenden Kosten direkt in den Büchern der Holding — die sich ja eigentlich vorgenommen hat, ihr Budget um 20 Prozent zu reduzieren. Die Botschaft, die Bäte mit der Maßnahme unters Volk bringen möchte: Der Flieger ist kein Prestigeobjekt für einige wenige mehr, sondern ein ganz normales Arbeitsgerät für möglichst viele.

Von jetzt an gibt’s First Class für alle. Auf dass das Gerede über die Flugprivilegien des Vorstands endlich verstumme!