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Kunst als Investment birgt Tücken

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Juni 21, 2017 views930

Hamburg. Kunst zu kaufen, bedeutet schon immer Leidenschaft, Kennertum und gutes Urteilsvermögen. Vermehrt wird Kunst als Investment in volatilen Zeiten angesehen. Und tatsächlich sind die Preise während der letzten zehn Jahre signifikant gestiegen, besonders im hochpreisigen Segment, sodass viele Sammler Werke in ihrem Portfolio haben, deren Wert über dem Einkaufspreis liegt. Sammler können ihre Kunst verpfänden, um so das in den Werken gebundene Kapital zu nutzen, ohne Teile ihrer Sammlung verkaufen zu müssen.

Mit der steigenden Nachfrage nach kunstgesicherten Finanzierungen ist auch die Zahl von Privatbanken und kleinen spezialisierten Kreditgebern gestiegen, die diesen Service anbieten. Normalerweise sind Eigentum, Authentizität, Zuordnung und der Standort kein Problem für Institute, die wertgesicherte Kredite vergeben, außer, das Pfand ist Kunst. In diesem Fall ist es auch besonders schwierig, die Sicherheit zu bewerten. Viele Faktoren beeinflussen den monetären Wert von Kunst, dazu zählen das Motiv, wie kommerziell das Werk ist, sein Zustand und seine Herkunft sowie aktuelle Trends am Kunstmarkt.

Banken müssen den Wert eines Vermögenswertes sorgfältig prüfen. Das Gleiche trifft auf den Kreditgeber zu, der Kunst als Pfand akzeptiert, doch muss er nicht nur den schwankenden Marktwert kalkulieren, er muss auch sichergehen, dass das Kunstwerk selbst authentisch ist, legal erworben wurde und noch nie gestohlen oder illegal exportiert wurde. Besonders wichtig ist es, die Geschichte der bisherigen Eigentümer so genau wie möglich nachzuvollziehen und festzustellen, ob das Werk auch echt und von relevanten Experten anerkannt ist. Diese Recherche setzt viel Erfahrung und Wissen über den Kunstmarkt voraus.

Doch auch Sorgfalt schützt nicht davor, dass Kunst, die als authentisch gilt, durch spätere Recherche diesen Status verliert oder in einen Entschädigungsfall verwickelt wird, zum Beispiel, wenn die Herkunft aufgrund eines Krieges nicht vollständig bekannt ist.

Es gibt mehrere Organisationen, die die Überprüfung vereinfachen und somit die Risiken kunstgesicherter Finanzierungen reduzieren. Das Art-Loss-Register ist die weltgrößte Datenbank für gestohlene Kunst, Antiquitäten und Sammlerstücke. Sie listet über 500.000 Posten, inklusive Berichte über Fälschungen und macht andere wichtige Datenbanken zugänglich, die Werke aufführen, die im Krieg verschleppt oder geplündert wurden.

Doch in den meisten Fällen macht die Suche in Datenbanken nur einen geringen Teil der Prüfung aus. In den meisten Fällen wird die Authentizität eines Kunstwerkes durch Untersuchungen und Begutachtung durch führende Kunstkenner, Akademiker und Kuratoren etabliert. Das gilt insbesondere für das Segment der Alten Meister, das stark von Expertenmeinungen und zunehmend von einer selektiven technischen Analyse abhängt. Kreditgeber, die kunstgesicherte Kredite vergeben, müssen die Risiken, die damit verbunden sind, einschätzen und managen können. Das gilt vor allem bei solch hohen Verlustrisiken und einem Markt, der von Unsicherheit geprägt ist.

Aus diesen Gründen ist Kunst für einige Banken zu komplex als Pfand für wertgesicherte Kredite. Und auch Banken, die kunstgesicherte Finanzierungen anbieten, verlangen normalerweise zusätzliche Wertgegenstände als Sicherheit. Kann der Kunde seine Raten nicht mehr bedienen, verlangen sie, dass er seinen Kredit aus einer anderen Quelle zurückzahlt, statt die Kunst zu verkaufen, die er hinterlegt hat. Dieser Kredit wird oft als Kredit mit Regress bezeichnet, er wird nicht nur von Kunstwerken gesichert, sondern vom gesamten Kapital des Kreditnehmers. Eine zusätzliche Hürde ist, dass die wenigen Banken, die diese Dienstleistung anbieten verlangen, dass sie den Kunden schon kennen.

Ein regressloser Kredit wird allein von dem hinterlegten Wertgegenstand gesichert. Nur wenige Finanzdienstleister werden diese Bedingungen akzeptieren. Tatsächlich sind es nur kleine Banken, die sich auf Kunst als Asset spezialisiert haben. Normalerweise müssen die Werke sicher verwahrt werden, bis der Kredit zurückgezahlt ist.

Für beide Kreditarten müssen die Kunstwerke bestimmte Anforderungen erfüllen. Antiquitäten (Kunstwerke von antiken Zivilisationen), sind beispielsweise problematisch, da es möglich ist, dass sie illegal ausgegraben oder exportiert worden, womit die Wahrscheinlichkeit steigt, dass an ihnen Rechtsansprüche bestehen. Die meisten Kapitalgeber werden auch keine zeitgenössische Kunst ohne bewährten Zweitmarkt annehmen.

Trotz dieser Schwierigkeiten wächst die kunstgedeckte Finanzierung. Der Markt ist in den USA am weitesten entwickelt, mit Zentrum in New York, dort profitieren Kreditgeber von der Uniform Comercial Code (UCC) Aufstellung. Sie erlaubt Kreditgebern, ihren Anspruch auf ein Kunstwerk in einer zentralen Datenbank öffentlich zu registrieren, was auch die Durchsetzbarkeit im Falle eines Kreditausfalls stärkt. Außerhalb New Yorks, besonders im Vereinigten Königreich und Europa, gibt es keine nationale Datenbank und das Retentionsrecht auf ein Kunstwerk anzumelden, ist komplizierter. Hinzu kommt, dass europäische Banken nach der Finanzkrise unter Druck standen, Eigenkapital zu stärken und Risiken zu minimieren. Dadurch ist die europäische kunstgedeckte Finanzierung im Vergleich zu den USA wenig entwickelt.

Da Banken die Nachfrage nicht decken können, wenden sich Kunstsammler immer öfter an spezialisierte Kreditgeber, die Kunst als alleinige Sicherheit akzeptieren. Zudem bieten Nischenanbieter einen Mix von Produkten, darunter solche, die Kunden erlauben, Kunst einzusetzen, die schon eingelagert ist oder in Ausstellungen hängt. Falcon Fine Arts akzeptiert auch, dass Kreditnehmer die Kunst während der Finanzierungsperiode behalten. Transatlantic Journal berichtete darüber, wie die richtige Geldanlage vor der Altersarmut schützt.

Diese Sonderformen zeigen, wie sich die kunstgesicherte Finanzierung außerhalb der USA entwickelt.

Doch natürlich bleiben Hürden. Italien und Spanien beispielsweise haben sehr strenge Kunst-Export-Gesetze. Erst kürzlich hat auch Deutschland das Kulturgüter-Schutz-Gesetz verabschiedet, das den Export von Kunst einschränkt, der nationale Bedeutung zugesprochen wird. Auch bei guter Intention stellen diese Gesetze eine große Barriere für den Kunsthandel und die Finanzierung von und durch Kunst dar.

Dennoch wächst der Markt der kunstgesicherten Finanzierung, durch spezialisierte Kreditgeber, die von Fall zu Fall entscheiden. Besonders wichtig ist, dass Sammler nicht schon Kunden sein müssen oder andere Sachwerte brauchen. Der Erfolg der Nischen-Finanzierer beruht darauf, dass sie das Know-how des Kunstmarktes und strukturierter Finanzierung kombinieren.

Dass sich kunstbesicherte Finanzierungen nach Europa und UK ausbreiten, ist Teil davon, dass sich auch die Kunst- und Finanzindustrie annähern. Die Diskussion über Kunst als Invest ment hat nach der globalen Finanzkrise viel Aufmerksamkeit erregt. Die Finanzmärkte sind in ständiger Bewegung, so interessieren sich Investoren vermehrt für außergewöhnliche Anlagen wie exquisiten Wein, Oldtimer, Gold, Briefmarken, Münzen und Kunst.

Kunst hat im Schnitt gut performt. Obwohl globale Kunstverkäufe in den letzten zwei Jahren leicht rückläufig waren, ist das Topsegment des Marktes im letzten Jahrzehnt enorm gewachsen, insbesondere die Segmente Nachkriegs- und Zeitgenössische Kunst. Gestützt wird das Wachstum von der zunehmenden Globalisierung des Kunstmarktes und der breiteren Verteilung von Reichtum. Vermögende Sammler aus Asien, Europa und dem Mittleren Osten treiben die Größe und Häufigkeit von Transaktionen.

Besonders Asien ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen. Der chinesische Auktionsmarkt ist inzwischen der größte weltweit, noch vor den USA und dem UK, das geht aus dem TEFAF- und dem Art-Basel-Art-Market-Bericht für 2017 hervor.

Abgesehen vom emotionalen und ästhetischen Wert den Kunst hat, wird sie oft als alternative Anlage diskutiert, die das Portfolio optimal diversifiziert. Mit Sicherheit ist es für einige vermögende Investoren klug, auch alternative Anlagen wie Kunst und andere Sammlerstücke in Betracht zu ziehen. Doch die Frage, ob Kunst wirklich als Anlageform geeignet ist, ist noch nicht endgültig beantwortet.

Befürworter weisen darauf hin, dass Kunst vor Inflation und Währungsschwankungen schützt. Sie ist eine mobile Sachwertanlage, deren Angebot sinkt, während die Nachfrage steigt. Zudem wachsen Kunstberatungsunternehmen und Kunstinvestmentfonds, die überdurchschnittliche Renditen versprechen das sei ein überzeugendes Argument für Kunst als alternative Anlage.

Doch es gibt auch Gegenargumente: Kunst erfüllt nicht die Anforderungen klassischer Sicherheiten und kann daher nicht als Investment-Grade-Asset angesehen werden. Sie generiert weder Dividenden noch andere Erträge. Im Gegenteil, Lagerung und Versicherung verursachen Kosten und die Werke sind fragil und illiquid. Zudem ist der Kunstmarkt mit 60 Milliarden US-Dollar Transaktionen pro Jahr vergleichsweise klein, undurchsichtig und größtenteils unreguliert. Das macht Kunst als Anlageform riskant.

Dessen ungeachtet ist Kunst ein teures Gut, das weiterhin viel Kapital bindet, ob als Investment oder Konsumgut. Dieses gebundene Kapital freizusetzen, ist eine gute Strategie, um sein Vermögen effizienter einzusetzen. Die Nachfrage nach kunstgesicherten Finanzierungen wird wachsen. Mit mehr spezialisierten Kreditgebern auf dem Markt wird auch die Breite an Finanzierungslösungen zunehmen, wodurch sich auch das bisherige Nischenprodukt etablieren wird.