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Medienmanipulation ist unvermeidbar – oder doch nicht?

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April 11, 2017 views909

Hamburg. Ein kleines Experiment: Es wurde ein Schild hinter einer Fußmatte vor einem Park aufgestellt, auf dem stand, dass man sich doch bitte vor dem Betreten des Parks die Schuhe abtreten soll. Ausschließlich 100% der Menschen befolgten die Anweisung, ohne auch nur eine Sekunde den Sinn des aufgestellten Schildes zu hinterfragen. So wurden auch andere unnötige und völlig sinnfreie Schilder an bestimmten Orten aufgestellt, einfach nur, um die Reaktionen der Deutschen zu beobachten. Doch diese Zeiten ändern sich scheinbar. Die Menschheit befindet sich im Wandel. Durch verschiedene Faktoren, wie widersprüchliche und negative Berichterstattung, Medienmanipulation etc. sind die Menschen ängstlicher, klarer und vor allem misstrauischer geworden. Längst nehmen sie Nachrichten als solche nicht mehr einfach so hin und hinterfragen Absicht, Wahrheitsgehalt und Zweck der Berichterstattung. Denn zu oft wurde festgestellt, dass investigativer Journalismus in der heutigen Zeit nicht mehr gegeben ist. Wie denn auch? Alle paar Minuten durchströmen neue Informationen, Berichte, Artikel, und Meldungen das Internet. Die Journalisten sind angehalten, schnellstmöglich und möglichst kompakt die wichtigsten News zu formulieren und zu veröffentlichen. Wo bleibt da die Zeit für Recherche? Nicht nur das – schon allein die Entscheidung darüber, welche Meldung veröffentlichungswürdig ist sowie welche darin enthaltenen Informationen relevant und welche eher unbedeutend, fragmentarisch oder zu polemisch sind, beeinflusst den Informationsgehalt, die Aufnahme und Reaktion sowie Meinungsbildung der Menschen. Der deutsche Soziologe Niklas Luhmann sagte hierzu: „Kommunikation ist ein Prozess, der auf Selektionen selektiv reagiert, also Selektivität verstärkt.“ Hinzu kommt die Wortwahl und persönliche Beziehung der Journalisten, die wohl oder übel in die Berichterstattung mit einfließt und so den Menschen zusätzlich in eine bestimmte Richtung lenkt – ob gewollt oder nicht. Selbst dieser Bericht wird trotz großer Mühen nicht neutral genug sein, da dies unmöglich ist, wie Sie im weiteren Verlauf feststellen werden.

Schulz von Thun und sein „Vier-Ohren-Modell“

Der deutsche Psychologe und Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun entwickelte nach Recherchen, Studien und Erfahrungen in den 1970ern das Kommunikationsquadrat, welches auch gern als „Vier-Seiten-“ oder „Vier-Ohren-Modell“ bezeichnet wird, wobei ersteres aus Sicht des Sprechers und letzteres aus Sicht des Hörers gesehen wird. Nach diesem Modell gehen mit dem Sachinhalt einer Aussage auch drei weitere Aussagen einher. Diese wurden „Selbstoffenbarung“, „Beziehungsebene“ und „Appell“ genannt. In der Sachebene werden Daten, Fakten und Sachverhalt vermittelt. Der Hörer entscheidet dann über Wahrheit, Relevanz und Hinlänglichkeit. In der Selbstoffenbarung bewirkt der Sprecher der Aussage automatisch und unbewusst eine Selbstenthüllung über seine Persönlichkeit. Die Beziehungsebene offenbart der Sprecher die Beziehung, in der dieser zum Hörer steht. Durch Tonfall, Gestik und Formulierung bringt er zum Ausdruck, ob er den Hörer wertschätzt, respektiert, verachtet oder dieser ihm gleichgültig ist. Der Apell will den Hörer, wie der Begriff schon sagt, dazu veranlassen, etwas zu tun, zu fühlen oder zu denken. Der Apell kann offen oder verdeckt sein.

Ein kleines Beispiel:

Mann und Frau sitzen zusammen beim gemeinsamen Abendessen. Dem Mann fallen grüne Kapern in der Soße auf und spricht seine Frau wie folgt darauf an: „Was ist das Grüne in der Soße?

Aus Sicht des Mannes (Vier-Seiten-Modell):

Sachebene: Da ist etwas Grünes in der Soße

Selbstoffenbarung: Ich weiß nicht, was das ist.

Beziehungsebene: Du wirst es wissen.

Appell: Sag mir, was das ist!

Aus Sicht der Frau (Vier-Ohren-Modell):

Sachebene: Da ist etwas Grünes.

Selbstoffenbarung: Mir schmeckt das Essen nicht.

Beziehungsebene: Du bist eine lausige Köchin.

Appell: Lass nächstes Mal das Grüne weg!

Die anschließende Reaktion der Frau: „Wenn dir das Essen nicht schmeckt, dann koch doch nächstes Mal selbst!“

Das Modell beschreibt die Ursachen von möglichen Missverständnissen und verdeutlicht, dass hinter einer Botschaft unwiderruflich drei weitere verborgen sind. Kommen dann bestimmte Wortwahl, Gestik, Mimik sowie Absicht hinzu, ist es verständlich, dass eine Manipulation des Hörers unumgänglich ist.

Oft hört man in den Nachrichten das Wort „mutmaßlicher Islamist“ in Zusammenhang mit Anschlägen. Gibt man das Wort „Islamist“ bei Google ein, erscheint als Definition: „Jemand, der sich kompromisslos für die Verbreitung des Islams einsetzt“. Demnach ist es nicht verboten, Islamist zu sein und der Begriff ist auch keinesfalls mit Extremismus und Gewaltbereitschaft gleichzusetzen. Meist ist daher der Begriff „mutmaßlicher Terrorist“ gemeint. Selbst das Wort „mutmaßlich“ wird gern so oft wie kein anderes genutzt. Die Definition von mutmaßlich lautet: „Allem Anschein nach, vermutlich“ Jedoch nicht mit Sicherheit! Bevor also klar ist, was genau passiert ist oder wer hinter einem Ereignis steckt, wird gerne gesagt: „Der mutmaßliche Islamist…“ oder „der mutmaßliche Täter…“. Mit diesem kleinen Satz werden die Nachrichtenhörer bzw. -leser bereits manipuliert, beeinflusst und „mutmaßlich“ auch teilweise gegen Islamisten aufgehetzt.

Ob eine Absicht der Journalisten, Verfasser und Medienmacher dahintersteckt, sei dahingestellt. Das wissen sie schließlich selbst am besten…oder auch nicht. Es ist selbsterklärend, dass man als Zeitung, Online-Medium oder Zeitschrift um die Gunst der Interessenten, Hörer oder Leser buhlt. Dementsprechend versucht man in der Flut an Informationen mit aussagekräftigen Schlagzeilen das Interesse der Informationssuchenden zu wecken. Dabei kann es nicht selten zu in den Augen der Leser geschmacklosen, grotesken, ja sogar menschenverachtenden Titeln kommen, die eher einen Shitstorm als Bewunderung auslösen. Erst kürzlich geriet der „Spiegel“ aufgrund eines umstrittenen Titelbildes von Trump als Schlächter der Freiheitsstatue in den Kritikhagel. Das Bild sei das abstoßendste und geschmackloseste Spiegel-Cover aller Zeiten“. Ob auch dies absichtlich eingestellt wurde oder unbedacht, sei ebenfalls dahingestellt. Denn schließlich hat es zu genau dem geführt, was man ja eigentlich mit seinen Veröffentlichungen beabsichtigt, nämlich Aufmerksamkeit und in der Online-Welt „Klicks“.

Es geht allerdings nicht nur darum. Bestimmte Informationen werden bewusst gesteuert und auf bestimmte Art und Weise verbreitet – jedoch nicht von Journalisten. Der lange Zeit als Redakteur bei der „FAZ“ arbeitende umstrittene Buchautor und Aktivist Udo Ulfkotte beschrieb in seinem Buch „gekaufte Journalisten“ seine Erfahrungen in der Journalismus-Branche und lässt die Leser hinter die Kulissen blicken. Deutsche Journalisten bestätigen seine Beschreibungen bzw. empfinden diese als wenig überraschend, wohingegen die Menschen, die die deutschen Medien als frei und unabhängig sehen, wahrscheinlich aus allen Wolken fallen würden. Gerüchte um den ARD-Redaktionschef Kai Gniffke und dessen Kündigung vor laufender Kamera sind allerdings tatsächlich nur Gerüchte. Jedoch gibt es, wie Udo Ulfkotte auch genug andere Journalisten, die ihren Beruf an den Nagel hingen, weil sie mit dem Druck, der Manipulation und aktiven Steuerung der Meinungsbildung der Gesellschaft nicht weiter standhalten konnten und wollten.

Jedem, der Wert auf wahrheitsgemäße und neutrale Informationen legt, soll gesagt sein, dass man sich niemals auf nur eine einzige Quelle verlassen sollte und zudem auch die Quellen prüfen sollte. Man sollte sich immer die Frage stellen: „Warum berichtet derjenige über sowas und was beabsichtigt dieser damit?“ Genaues Zuhören bzw. Lesen ist genauso wichtig wie die Hintergründe der Informationen. Durch verschiedene Quellen und breitgefächerten Informationen bezüglich eines Themas kann man sich sein eigenes Bild machen und verringert die Einflüsse der Berichterstatter.