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Die Digitalisierung als Chance oder notwendiges Übel?

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Januar 9, 2017 views1299

Berlin. Es gibt keinen Weg mehr an ihr vorbei. Gemeint ist das Leitthema Digitalisierung, welches alle Bereiche der Wirtschaft bei kleinen, mittleren und großen Unternehmen bestimmen und maßgeblich beeinflussen wird. Neuesten Erhebungen zur Folge, kann es sogar sein, dass Deutschland bereits in der Digitalisierungsphase der restlichen Welt hinterher hinkt. Und das wäre nicht nur ein Rückschritt und großes Defizit, sondern würde den Wirtschaftsstandort Deutschland als Top-Adresse ernsthaft gefährden.

Dabei kann man den Begriff der Digitalisierung mehrfach deuten. Zum einen kann der Begriff als technische Art und Weise der Umwandlung und Übertragung von analogen Größen in ein digitales Format gesehen werden. Diese Definition geht zurück auf die Anfänge der digitalen Datenerfassung. Bei der zweiten, neueren Definition wird der Begriff der Digitalisierung als Anpassung und Veränderung von Arbeitsschritten oder Handlungsweisen von Einzelpersonen oder Unternehmen durch Benutzung von Anwendungssoftware beschrieben. Häufig wird hierbei auch der Begriff der Digitalen Revolution genannt. Diese beschreibt die rasante Entwicklung der Computertechnik seit ihren Anfängen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Digitale Technologien haben sich längst im privaten und geschäftlichen Alltag etabliert. Der digitale Wandel ist allumfassend, allgegenwärtig und verändert Markt, Mensch, Umwelt und Gesellschaft. Technologien wie Social Media und Cloud Computing zwingen Unternehmen, ihre Geschäftsmodelle grundlegend zu überdenken. Gleichzeitig ermöglichen sie Innovationen, die einerseits gute Wachstumschancen bieten, andererseits aber auch zur Bedrohung für traditionelle Geschäftsmodelle werden können. Egal ob Banken, Medienkonzerne, Lebensmittel -hersteller oder Automobilhersteller: Unternehmen sind weltweit und branchenübergreifend von der Digitalisierung betroffen. Dabei sind die Möglichkeiten und Risiken stark von den industriespezifischen Geschäftsmodellen abhängig. Ein Finanzinstitut sieht sich ganz anderen Bedürfnissen gegenüber als ein Maschinenbauer oder ein Einzelhändler. Bereits heute integrieren die führenden innovativen Unternehmen digitale Technologien in ihre bestehenden Geschäftsmodelle. Für den Großteil der Unternehmen heißt das: Sie müssen einen schnellen und effizienten Weg finden, sich neu zu justieren und Bestandsmodelle entsprechend digital zu transformieren.

Die Zeit drängt. Denn IT- und High-Tech Unternehmen fassen immer stärker in traditionellen Märkten und Branchen wie Handel, Telekommunikation, Gesundheits- oder Finanzwesen Fuß. Branchengrenzen verschwimmen also immer mehr. Es entstehen bislang unbekannte Wettbewerber und Märkte. Außerdem trägt die Digitalisierung beispielsweise im Gesundheitswesen dazu bei, fehlendes Fachpersonal einzusparen, Arbeitsabläufe zu vereinfachen und für mehr Transparenz zu sorgen. Für beide Seiten: Den Patienten, der sich mittels Integration von Hightech, Computer und elektronischer Patientenkarte in seine Krankenakte komplikationslos einlesen kann und das Krankenhauspersonal auf der anderen Seite, das sich dank gespeicherter Daten schneller in das Behandlungsbild und dessen -Verlauf, über Vorerkrankungen, Unverträglichkeiten oder Medikation informieren kann. Das spart Zeit, verkürzt Abläufe und Informationswege und nützt letztendlich dem Patienten. Allerdings ist der Weg zur Digitalisierung nicht immer einfach, sondern tatsächlich beschwerlich. Die Digitalisierung führt zu tiefgreifenden Veränderungen in der deutschen Wirtschaft. Vier von zehn Unternehmen (40 Prozent) haben infolge der Digitalisierung bereits neue Produkte oder Dienste auf den Markt gebracht und 57 Prozent bestehende Angebote angepasst. Dagegen musste jedes achte Unternehmen (12 Prozent) wegen des digitalen Wandels Waren oder Dienstleistungen vom Markt nehmen. Neue Begriffe wie Industrie 4.0 stehen für Veränderungen innerhalb von Produktionsprozessen- und Abläufen. Die größten Herausforderungen für die Unternehmen sind ganz klar die Geschwindigkeit und die zu leistende Überzeugungsarbeit, um alle Mitarbeiter mitzunehmen.

91 Prozent der Hamburger Unternehmen z.B. geben bei Umfragen zum Thema an, dass sie von einem großen Einfluss der Digitalisierung auf zukünftige Unternehmensstrukturen, auf Produktions-, Geschäfts- und Arbeitsprozesse ausgehen. Was auch aus der Studie hervorgeht: Die digitale Transformation stellt für viele Unternehmen eine große Herausforderung dar, denn die Unternehmen müssen viel Aufwand und Geld investieren. Sie bietet Chancen, sich von Konkurrenten abzusetzen, neue Produkte zu entwickeln oder fruchtbare Kooperationen einzugehen. Aber sie ist auch risikobehaftet, da eine Voraussage über zukünftige Erträge kaum möglich ist. Nicht nur einzelne Unternehmen sind betroffen, auch der Einfluss auf die gesamte Volkswirtschaft ist nicht zu unterschätzen. Die digitale Transformation kann nur erfolgreich sein und ihr volles Potenzial entfalten, wenn sich ein hinreichend großer Teil der Unternehmen daran beteiligt und die entstehenden Netzwerkeffekte nutzt. Es stellt sich also nicht eben die Frage nach Chance oder Übel, sondern es ist eine absolute Notwendigkeit im internationalen Wettbewerb, dass die Digitalisierung ein begleitender Prozess für alle Unternehmen wird, die sich den Neuerungen einer hightechorientierten Welt nicht verschließen.