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Der DAX als Spielball von Wirtschaft und Banken

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Oktober 31, 2016 views739

Der Dax im Zickzackkurs. Seit Monaten geht es 250 Punkte herauf, dann 250 Punkte wieder herunter. Unbeständigkeit statt All-time High. Dabei war das Ziel für 2016 das Erreichen der 12.000 Punkte. Davon sind wir jedoch weit entfernt.

Frankfurt. Sein bisheriges Jahreshoch hat der Deutsche Aktienindex in der abgelaufenen Woche geknackt. Das neue Dax-Hoch liegt bei 10.827 Punkten – und damit immer noch weit weg vom Allzeithoch bei mehr als 12.000 Zählern. Immerhin ist das Minus seit Jahresbeginn so gut wie wettgemacht. Viel weiter ist der Dax aber nicht gekommen. Im Gegenteil. Auf Wochensicht kam der Leitindex kaum vom Fleck. „Noch hat der Dax den Ausbruch aus seiner Seitwärtsspanne nach oben nicht geschafft“, sagt Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers. „Neben guten Daten ist dafür wichtig, dass es am Rentenmarkt keine zu großen Renditesprünge nach oben gibt. Denn die Angst vor einem Bondcrash, der die Risikoaversion von Investoren verstärken könnte, ist weit verbreitet.“

Die Banken sind das Zünglein an der Waage. Die Zinspolitik von Europäischer Zentralbank (EZB) und FED (Amerikanische Notenbank) entscheidet darüber, wie die Marschrichtung des wichtigsten deutschen Index‘ aussehen wird. Den Börsen spielt die Niedrigzinspolitik in die Karten, während eine Zinsanhebung den Kapitalzufluss in die Aktienmärkte stoppen würde. Dazu kommen politische Entscheidungen wie die US-Wahl jetzt im November. Eine gewisse Ängstlichkeit vor einem Wahlsieg von Donald Trump ist nicht von der Hand zu weisen, denn dann würden die Finanzplätze mit Kursrückgängen, also starken Verkäufen, reagieren. Zu unsicher ist eine Prognose darüber, ob Trump’s Ernennung Fluch oder Segen sein würde.

Falls die US-Wirtschaft doch endlich wieder dynamisch wächst, dann ist dies manchen Investoren allerdings wohl ebenfalls nicht recht. Denn damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Notenbank im Dezember die Leitzinsen erhöht. Das nähme den Börsen jene Motivation, die sie seit Jahren antreibt: das billige Geld. Und davon wird eine Menge von den Banken in Umlauf gebracht. „Die Daten für Oktober haben gezeigt, dass die Konjunktur in der Währungsunion nach einer kurzen Schwächephase wieder besser in Tritt gekommen ist“, sagt Stefan Kipar von der Bayern LB. „Insbesondere in Deutschland sind die Vorzeichen für eine Fortsetzung des Aufschwungs im Herbst mit den Oktoberdaten wieder besser geworden.“Den Boden für die neue Aktienrallye hatte jedoch in der vergangenen Woche schon die Europäische Zentralbank bereitet. Sie hatte nach ihrer Ratssitzung zu erkennen gegeben, dass ihr Anleihenkaufprogramm noch lange nicht enden wird und damit die Phase des billigen Geldes anhalten wird. „Der entscheidend Treiber des Aktienaufschwungs der letzten Jahre ist daher weiterhin im Überfluss vorhanden“, sagt Frank Wohlgemuth, Aktienexperte bei der DZ Bank.

Ob das auch die Aktionäre so beurteilen, muss man abwarten. Denn die Niedrigzinsen haben auch ihre Nachteile: nämlich für solche Anleger, die das Risiko scheuen, und die es gewohnt waren, am Anleihenmarkt oder bei Zinspapieren ihr Heil zu suchen. Diese werden nicht ewig zusehen, wie ihnen die Basis für eine konservative Anlagestrategie weiter genommen wird. Es könnte sogar noch mehr hinzukommen. An den Finanzmärkten wächst derzeit die Hoffnung, dass nun auch die Regierungen mehr Geld ausgeben. „Dies gilt vor allem für die US-Volkswirtschaft im Nachgang der Wahl, aber auch für die großen europäischen Volkswirtschaften Frankreich und Deutschland im Hinblick auf deren bevorstehende Wahlen im Frühjahr und im Herbst 2017“, sagt Wohlgemuth. Schon jetzt wird in der Euro-Zone heftig darüber diskutiert, die Sparvorgaben zu lockern und die Konjunktur durch staatliche Investitionen anzukurbeln. Und in den USA denken beide Präsidentschaftskandidaten in eine ähnliche Richtung. Sollte es zu einem solchen Richtungswechsel in der Fiskalpolitik kommen, ergäbe sich daraus natürlich neuer Rückenwind für Umsätze und Gewinne der Unternehmen, die in den vergangene Monaten stagnierten oder sogar zurückgingen. Ein weiterer starker Einfluss, der den DAX zu einem unberechenbaren Indikator machen könnte. Zum Leidwesen der hauptsächlich privaten Investoren.