Seinen Lebensmittelpunkt hat Cryan in die USA verlegt, nach Annapolis nahe Washington, der Heimat seiner Frau. Mary, ein Mitglied der DuPont-Familie, hatte dort vor knapp zehn Jahren für 4,8 Millionen Dollar ein Anwesen erworben.
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Frankfurt/Main. Nach seinem unspektakulären Abgang bei der Deutschen Bank verschwand der Bank-Chef erst einmal von der Bildfläche und ward nicht mehr gesehen. Das änderte sich jetzt allerdings, als Cryan auf einer großen Party beim Verwaltungsratschef von Kühne&Nagel auf Mallorca auftauchte und sich bei launiger Stimmung und sommerlichen Temperaturen sogar mit seinem damaligen Erzfeind Paul Achleitner einen kurzen Small-Talk lieferte. Ansonsten lebt Cryan mittlerweile in den USA, der Heimat seiner Gattin. Er hat den Ort seiner größten Schmach weit hinter sich gelassen und sich in die mondäne Hafenstadt Annapolis, Hauptstadt des Bundesstaates Maryland, zurückgezogen. Dort lebt es sich beschaulich und gut, zumal die Millionen-Vergütungen aus seiner Amtszeit bei der Deutschen Bank und der Schweizer UBS ihm sicherlich ein gutes Auskommen bescheren. Schon einmal in der Vergangenheit war Cryan für längere Zeit in den USA abgetaucht, um dann später auf Nachsuchen enger Freunde den Weg zurück nach Europa zu finden. Momentan ist an Rückkehr ins Bankengeschäft nach dem Flop bei der Frankfurter Großbank allerdings nicht zu denken.

Aber natürlich hat auch John Cryan ein kleines Domizil auf Mallorca, so dass er jetzt am 1. August auf Einladung eines engen Freundes mal eben Nähe Port d‘ Andratx zu einem privaten Event auf der Bildfläche erschienen war. Denn Jörg Wolle (61), Verwaltungsratschef von Kühne & Nagel, pflegt sein Netzwerk jedes Jahr mit einer großen Feier, für gewöhnlich rund um den Schweizer Nationalfeiertag am 1. August. In diesem Jahr lud er in das Hotel „Castell Son Claret“ seines Arbeitgebers Klaus-Michael Kühne (81) — hoch in den Bergen über Port d’Andratx auf MalIorca. Die Gäste aber genossen vor allem den Blick auf zwei alte Bekannte: John Cryan (57) und Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner (61), beide redlich um Small Talk bemüht.

Das Gespräch darf als Sensation gelten, denn eigentlich meidet der Brite seit seinem Schichtende als CEO der Deutschen Bank im April Kontinentaleuropa wie Deutschbanker gleichermaßen. Für seinen Freund Wolle, den er aus gemeinsamen Zeiten in der Schweiz kennt, machte er nun eine Ausnahme und ließ sich sogar auf ein paar Sätze mit seinem Karrierekiller Achleitner ein, dessen mallorquinische Urlaubsburg in Wolles Nachbarschaft liegt.

Seinen Lebensmittelpunkt hat Cryan in die USA verlegt, nach Annapolis nahe Washington, der Heimat seiner Frau. Mary, ein Mitglied der DuPont-Familie, hatte dort vor knapp zehn Jahren für 4,8 Millionen Dollar ein Anwesen erworben. Bekannten beschied Cryan, er privatisiere jetzt erst mal. Selbst ehemals enge Mitarbeiter haben von Cryan seit seinem Rauswurf im Frühjahr nichts mehr gehört. „Diese Rigorosität hätte er lieber an anderer Stelle entwickelt, dann hätte er den Job vielleicht noch“, ätzt einer der Betroffenen.

Sogar die leichten Seiten seines europäischen Lebens hat Cryan abgestreift: den Posten als Chairman von Gabrieli, einer britischen Stiftung, die klassische Musik inszeniert, gab er im Frühsommer auf. Ähnlich war Cryan nach seinem Ausstieg bei der UBS im Jahr 2011 vorgegangen. Erschöpft ob seiner Sanierungsarbeit als Finanzvorstand, zog er sich nach Annapolis zurück. Um sich nach einer Weile vorsichtig zurückzutasten: zunächst als Europa Statthalter von Temasek, dem Staatsfonds aus Singapur, später als Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Sein (damaliger) Kumpel Achleitner hatte ihn umworben.

Eine feine Verbindung in die Finanzwelt hält der Brite indes auch jetzt noch. Beim britischen Hedgefonds Man Group sitzt er bis mindestens 2020 im Board.Dass es zur Versöhnung mit der Deutschen Bank kommt, darf trotz des Gesprächs mit Achleitner aber als utopisch gelten. In seiner Kurzbiografie, mit der die Man Group ihre Verwaltungsräte vorstellt, wurde zwischenzeitlich jeder Hinweis auf sein Wirken in Frankfurt entfernt und erst auf Nachfrage  wieder eingefügt. Offizielle Begründung: Es habe technische Probleme gegeben.

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