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Wird Wirth der Werbevertrag mit Helmer zum Verhängnis?

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Februar 19, 2018 views1787

München. Alexander Wirth hat eine Schwäche, mindestens. Er ist ein großer Fan des FC Bayern München. Die Nähe zu den Stars erkaufte sich der Ende November abrupt ausgeschiedene Bogner-CEO aber nicht mit seinem kolportierten Gehalt von rund einer halben Million Euro. Vielmehr soll er dafür den Etat seines Arbeitgebers abgezwackt haben.

Der Münchener Sportmodehersteller wirft Wirth vor, dass er seine Leidenschaft als Marketing verbrämt und damit eine Lounge in der Allianz-Arena eingerichtet habe und zu Auswärtsspielen geflogen sei. Dieses Fußballfieber soll bei Inhaber Willy Bogner der letzte Auslöser für die Trennung gewesen sein.

Die Kontrolleure lassen nun juristisch prüfen, ob Wirth gegen seinen Arbeitsvertrag verstoßen hat. Weder das Unternehmen noch dessen Ex-Chef wollten gegenüber dem Transatlantic Journal Stellung nehmen.

Auch der Jahresabschluss 2016/17 wird noch einmal vom Wirtschaftsprüfer unter die Lupe genommen. Den Aufsichtsrat hatten die von Wirth vorgelegten Zahlen zu Umsatz und Gewinnen schon länger irritiert. Hat der Manager die seit Jahren sinkenden Erlöse mit unseriösen Maßnahmen auf Wachstum getrimmt?

Im September 2016 hatte noch alles so schön begonnen zwischen der Skilegende und dem früheren Statthalter von Ralph Lauren im deutschsprachigen Raum. Bis 2022 sollte Bogners Markenumsatz von 200 auf 300 Millionen Euro steigen. Es war von mehr Luxus, Angeboten bei Golf oder Yachting die Rede. Auf keinen Fall aber von Fußball. Kicker passen nach Ansicht des Patriarchen nicht zum edlen Image.

Offenbar traute der Alte dem Jungen schon damals nicht ganz. Jedenfalls hängte er an dessen Vertrag ein 19 Punkte umfassendes Papier an, das den Entscheidungsspielraum stark einschränkt. So durfte der CEO laut Position 11 keine Investitionen außerhalb des genehmigten Budgets tätigen, die 50 000 Euro übersteigen.

Deshalb könnte Wirth nun ein Vertrag mit dem Ex-Bayern-Star Thomas Helmer zum Verhängnis werden. Der Sportmoderator soll in seinen Sendungen Bogner-Kleidung tragen und an „maximal drei Tagen“ pro Jahr für Events zur Verfügung stehen. Dafür erhält der „Testimonial-Werbeträger“ jährlich 90 000 Euro plus Umsatzsteuer bis 2019. Der Aufsichtsrat sieht darin eine Vertragsverletzung. Ebenso wie in zahlreichen anderen Punkten, wie etwa der Entlassung eines Prokuristen.

Die Intention scheint klar. Die Aufseher würden am liebsten den Ende November unterzeichneten Auflösungsvertrag in eine fristlose Kündigung umwandeln. Dann müsste Bogner nicht bis Sommer 2019 das üppige CEO-Gehalt zahlen.