Privatschulen sind Elite-Schmieden. Wer früh anfängt, der wird erfolgreich. Oder doch nicht?
image_pdfimage_print

Karlsruhe. Außerunterrichtliches hat in der Pädagogik der Stiftung Louisenlund, Güby, Schleswig-Holstein, herausragende Bedeutung, wie in vielen anderen Privatschulen auch. Das gilt für alle Angebote, also Grundschule, Internat, Ganztagsgymnasium und IB World School (IB steht für International Baccalaureate Diploma, das weltweiten Hochschulzugang ermöglicht). Aber nicht nur beispielsweise Segeln und Tennis ergänzen die Schulstunden. Vielmehr sind es verschiedene Dienste und „Gilden“, in denen Louisenlund-Schüler Verantwortung übernehmen müssen.

So kooperiert die Stiftung mit der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), dem Technischen Hilfswerk (THW), dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) oder einem Wohn- und Pflegeheim für geistig und seelisch kranke Menschen. Schüler geben Flüchtlingskindern Nachhilfeunterricht in Deutsch und Mathematik und helfen Grundschülern in Fleckeby bei den Hausaufgaben. Die Teilnahme an einem außerunterrichtlichen Programm ist Pflicht.

In der Gilde „Hase 8 Co.“ umsorgen etwa 30 Kinder Haustiere – Kaninchen, Hühner, Meerschweinchen, Schafe. Der tägliche Arbeitsaufwand, vor allem für das Füttern und Stallausmisten, ist sprunghaft gestiegen, als drei Alpakas hinzukamen, bei denen sich im Sommer 2017 auch noch zweifacher Nachwuchs einstellte. Gilde-Leiterin Stefanie Busch begründet die Vergrößerung des Louisenlunder Minizoos um die kleine Alpaka-Herde mit der Sensibilität dieser Tiere.

Um mit ihnen in Kontakt zu kommen und ihr Vertrauen zu erwerben, bedarf es besonderen Einfühlungsvermögens. Die Schüler lernen also nicht nur, Pflichten zu übernehmen, sondern auch diesen Mitgeschöpfen mit Bedacht zu begegnen und im Umgang mit ihnen Geduld zu üben – ein erlebnispädagogisches Training, das auch für die Kommunikation mit Mitmenschen hilfreich ist. „Verantwortung und Achtung vor den Tieren“ wird im Landschulheim Grovesmühle, Nordharz, (Eigenwerbung: „Geprägt von Natur“) großgeschrieben. Die Schulkinder lernen in der beliebten Tiergilde „viel über den Umgang, die Haltung und die Pflege von Tieren“, sie trainieren ihre eigene Körpersprache und erlangen so „die ehrliche und direkte Anerkennung durch das Tier“ – mit positivem Effekt für das Selbstbewusstsein.

Die Schloss-Schule Kirchberg an der Jagst unterhält einen kleinen Tierpark mit Ziegen, Schafen und Fischaquarien, „nicht nur, damit unsere Schüler diese streicheln oder betrachten können, sondern vor allem, weil sich um diese Tiere gekümmert werden muss“. Was Verantwortung heißt, erfahren die Kinder hautnah.

Auf ökologisch-landwirtschaftliche Erziehung legt das Hermann-Lietz-lnternat Haubinda, Südthüringen, großen Wert. Dabei geht es auch um die Verpflegung von Pferden, Schafen, Schweinen und Hasen. Jugendliche, deren Berufswunsch mit Landwirtschaft zu tun hat, erfahren die Bedeutung von Nachhaltigkeit. Dabei hat die Tierhaltung allerdings weniger eine emotionale als eine pragmatische Seite: Wurstwaren herstellen ist hier wichtiger als Streicheln.

Eine ganz andere Art der Tiernutzung pflegt das Internat Solling in Holzminden, Weserbergland. Als „Ausgleich zur geistigen Arbeit, als charakterbildende Kraft und als Fitmacher“ ist das Sportangebot ungewöhnlich umfangreich. Solling ist das einzige deutsche Internat mit einer professionellen Reitanlage auf eigenem Gelände, einschließlich einer 20 mal 40 Meter großen Reithalle. Von den 20 bis 25 Tieren gehören sieben Pferde dem Internat.

Die Ausbildung der Schüler bis zur Turnierreife im Dressur- und Springreiten umfasst auch die Versorgung der Pferde: von der Weide holen, putzen, satteln, Pflege nach dem Reiten. Zuverlässigkeit und Verantwortung sind Grundvoraussetzungen für den Erfolg, der in Solling neuerdings für die Klassen 8 und 9 im versetzungsrelevanten Neigungsfach „Pferd“ auch benotet wird.

Sogar in der Führungskräfteschulung helfen Tiere, besonders Pferde menschliches Verhalten zu beeinflussen. Das Pferd, wie der Mensch ein Herdentier, folgt festen Regeln. Will der Mensch Chef sein, muss er das Pferd überzeugen. Eine hierarchische Position und Vorgesetztengehabe nützen dem Manager in einem pferdegestützten Führungsseminar nichts. Das Pferd lässt sich nicht täuschen und gibt immer ehrliche, meist stumme körpersprachliche Antworten. Solch unmittelbares, untrügliches animalisches Feedback zeigt dem Trainee die Wirkung seines Führungsverhaltens – zwar nur auf ein Pferd, aber die Übung ohne Pferdekuss überstanden und mit dem tierischen Partner eine Aufgabe gelöst zu haben, lehrt eindrücklich die kommunikative Bedeutung von Ruhe und Bestimmtheit bei gleichzeitiger situativer Flexibilität.

Wer diese Erfahrung schon als Grundschüler machen durfte, ist später zweifellos im Vorteil.

1 Kommentar

  1. Ich denke Privatschulen sind allgemein besser da man je nach Neigung des Kindes auch eine passende Pädagogik wählen kann. Weiter kann man dort auch nach bestem Wissen und Gewissen für sein Kind handeln, ein staatliche Schule lässt keine eigene Entscheidung oder Auswahl zu, von Elternbeteiligung ganz zu schweigen.

    Es gibt eine riesige Auswahl an Privatschulen mit unterschiedlichen Schwerpunkten, siehe zB:
    https://www.private-bildung.com/

    Dort kann man auch nach pädagogischen Richtungen filtern.

Kommentieren Sie den Artikel