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München. Allianz, BMW, Siemens — die Flaggschiffe der deutschen Wirtschaft kennt jeder. Aber was ist mit All for One Steeb, Technotrans oder Nanogate? Diese Unternehmen sind nur interessierten Investoren, die fleißig Börsennachrichten lesen, bekannt. Dabei stellt ihre Performance fast alles andere in den Schatten. Die Titel des SAP-Dienstleisters All for One Steeb verteuerten sich seit Ende 2007 um mehr als 1.000 Prozent, die Papiere des Flüssigkeiten-Spezialisten Tech-

notrans um 200 Prozent und die Scheine des Hightech-Oberflächenherstellers Nanogate um gut 100 Prozent. Nicht verdrängen darf man, dass in diesem Zeitraum eine Finanzkrise verarbeitet werden musste. Die Zahlen sehen noch viel besser aus, wenn man die Performance jeweils vom Kurstief im Jahr 2009 ausgehend misst.

AB 2018 WENIGER RESEARCH

Während diese Börsen-Glanzlichter Normalbürgern in der Regel verborgen bleiben, schlummern sie in den Portfolios von Nebenwertefonds — hier konkret im MainFirst Germany (All for One Steeb), DB Platinum IV (Technotrans) und Metzler European

Small and Micro Cap (Nanogate). Deren Manager kaufen bewusst Aktien kleiner und mittelgroßer Unternehmen, eben weil diese nicht im Fokus des Interesses von Investoren stehen. „Die Assetklasse Nebenwerte bietet Stock-Pickern gute Chancen, da hier eine sehr hohe Anzahl an Titeln für potenzielle Investments zur Auswahl steht, bei gleichzeitiger Ineffizienz, da sich weniger Investoren mit diesem Segment beschäftigen“, sagt Stefan Meyer, Portfoliomanager im Team Equities und verantwortlich für die Investmentstrategie im Bereich europäische Nebenwerte beim Bankhaus Metzler.

Was er meint: Sehr viele Analysten beobachten die Unternehmen im DAX täglich und lückenlos. Folglich gibt es keine unentdeckten Perlen. In der zweiten und dritten Reihe dagegen schon. Dieser Effekt dürfte sich ab 2018 verstärken. Denn im Zuge der neuen Finanzinstrumenterichtlinie MiFID II müssen Asset-Manager und Fondsanbieter externe Research-Kosten selber tragen oder an ihre Kunden weitergeben. Das  führt dazu, dass etliche Research-Anbieter ihre Tätigkeit einstellen oder herunterfahren. In der Folge stehen vor allem Nebenwerte noch weniger im Fokus als bisher.

Bessere Performance

Auf das Potenzial von Small und Mid Caps weisen Experten, hin. „Kleine Unternehmen können aufgrund schlankerer Strukturen wesentlich schneller auf Veränderungen der Kundenbedürfnisse und der Absatzmärkte reagieren. Daher erzielen sie langfristig durchschnittlich bessere Ergebnisse als große Konzerne.“ Dies wiederum drücke sich auf Dauer in einer deutlich besseren Performance von Small Caps im Vergleich zu Large Caps aus. Eilers weist auch darauf hin, dass die Kurse von Nebenwerten wesentlich stärker schwanken als die der Dickschiffe. Im Zuge der jüngsten globalen Aktienhausse hat sich die Volatilität beider Assetklassen zwar angenähert, was auf eine bevorstehende Korrektur hindeutet, mittel- und langfristig geht eine höhere Rendite aber immer mit einem höheren Risiko einher.

In Europa haben Nebenwerte in den vergangenen Jahren wesentlich besser abgeschnitten als die Standardwerte. Gemäß einer Analyse von Metzler Asset Management, einer Tochter des Bankhauses, erzielten die 200 kleinsten Aktien im StoxxIndex-Universum seit Oktober 1999 eine Performance von 7,15 Prozent im Jahr, während die 200 größten Titel nur auf ein Plus von 2,96 Prozent p. a. kamen. Die jährliche Outperformance der Kleinen beträgt somit mehr als vier Prozentpunkte. In

Deutschland belegt nicht nur das deutlich bessere Abschneiden des MDAX im Vergleich zum DAX, sondern auch von SDAX und TecDAX die Attraktivität der Small und Mid Caps für Investoren.

Auch in der Kapitalmarkttheorie belegen zahlreiche Studien den Size-Effekt, demzufolge kleine und mittelgroße Aktien langfristig eine höhere Performance als Standardwerte erzielen. Zu diesem Resultat kommen historische Untersuchungen in den USA, die bis 1930 und weiter zurückreichen. Gleichwohl hat sich dort im Zuge der fast zehnjährigen Hausse, die auch die Kurse der Standardwerte befeuerte, kein klares Plus der Nebenwerte, sondern eher eine ähnlich hohe Performance wie die der Large Caps eingestellt. Aufgrund ihrer

Breite mit mehreren Tausend Aktiengesellschaften bietet die US-Börse dennoch zahlreiche Gelegenheiten für die gezielte Einzeltitelauswahl.

Es gibt also gute Gründe für ein Investment in europäische und deutsche Nebenwerte. Statt Allianz, BMW und Siemens können es ruhig mal kleinere und mittelgroße Firmen sein, in die Geld fließt. Innerhalb des riesigen Anlageuniversums aus Small und Mid Caps gibt es zig Spezialisten und Weltmarktführer mit entsprechend hohen Gewinnmargen. Viele Anleger sind in dieser Assetklasse noch nicht investiert. Aufgrund der realistischen Chance auf eine  langfristige Outperformance im Vergleich zu Standardtiteln sollten sie eine Beimischung guter Nebenwertefonds prüfen.

1 Kommentar

  1. wenn der Markt gekracht hat, die Börse am Boden liegt, dann kaufen die Reichen zum Spottpreis ein. das kann nun der kleine Mann auch, gell?

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